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Stoßenergiewandler

Patentanmeldung P 196 32 828.4

 

Irgendwann stolperte der Bourbaki in einem Physikbuch über die Bemerkung, daß es in der Mechanik sowohl den Energieerhaltungssatz und den Impulserhaltungssatz gäbe, daß aber beide Erhaltungssätze wohl schlecht gleichzeitig gültig sein könnten. Diese Aussage leuchtete dem Bourbaki seinerzeit ein, so daß er über diese Thematik nachzudenken anfing.

So wie dies häufig in der Physik der Fall zu sein scheint, geht die vorhandene Problematik auf eine historische Auseinandersetzung zurück, bei welcher sozusagen eine "Leiche im Schrank" zurückgeblieben ist. Verursacher dieser "Leiche im Schrank" war in diesem Fall Isaac Newton, welcher in seinem Hauptwerk, der "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica" von 1686 eine Aufrechterhaltung des "Impetus" d.h. des Imuplses m.v propagierte, während sein Gegenspieler Leibniz in Deutschland in der von ihm gegründeten Zeitschrift "Acta Eruditorium" in einem 1682 veröffentlichten Artikel mit dem etwas langatmigen Titel "Kurzer Beweis eines denkwürdigen Irrtums Descartes und anderer in Bezug auf ein Naturgesetz, demzufolge sie meinen, daß Gott immer dieselbe Bewegungsmenge aufrecht erhält, und wie es sie es in der Mechanik fehlerhaft gebrauchen" die Auffassung vertrat, daß die wahre lebendige Kraft - gemeint ist dabei die kinetische Energie- dem Produkt aus m.v2 entspräche. Nun, um es kurz zu machen, Leibniz hatte in diesem Fall recht - erhalten bleibt letztlich nur die Energie, d.h. das Produkt aus m.v2, nicht aber der Impuls m.v.

Dies soll in dem folgenden erklärt werden: Im Fall von Stoßvorgängen mit gleich großen Stahlkugeln ist die Masse m aller Stoßpartner dieselbe, so daß die ganze Stoßenergie von der einen Stahlkugel auf die andere übertragen werden kann. Dabei ist jedoch nicht zu entscheiden, was nun im physikalischen Sinn erhalten bleibt, das Produkt aus m.v oder m.v2, weil bei Konstanthaltung der Masse m jedes beliebige Produkt aus m und v erhalten bleibt. Anhand von Stoßprozessen mit Stahlkugeln gleicher Masse läßt sich somit die Frage einer alternativen Impulserhaltung oder Energieerhaltung nicht entscheiden.

Der Anmelder hat sich somit eine kleine Vorrichtung ausgedacht und auch in seiner Küche ausprobiert, bei welcher Stoßvorgänge zwischen Kugeln mit ungleichen Massen stattfinden. Dabei zeigt es sich, daß praktisch die gesamte kinetische Energie von einem Körper großer Masse auf einen Körper mit sehr viel kleinerer Masse übertragen werden kann, falls zwischen diesen beiden Körpern eine Anzahl von Stahlkugeln mit abnehmenden Durchmessern dazwischengeschaltet sind, so daß die Stoßenergie in mehreren Schritten von dem Stoßenergiepartner großer Masse auf den Stoßpartner kleiner Masse transferiert werden kann.

Anhand dieser Vorrichtung ergibt dabei sich zweierlei:

1. Das Stoßverhalten zwischen Stahlkugeln wird ausschließlich durch das Stoßverhalten der Stahlkugeln selbst bestimmt. Falls nur ein Teil der Stoßenergie zur Übertragung gelangt, dann ist dies letztlich durch eine Stoßfehlanpassung bedingt, welche umso größer ist, je unterschiedlicher die Massen der miteinander kollidierenden Stahlkugeln sind.

2. Wenn Stahlkugeln unterschiedlicher Massen miteinander kollidieren, findet keine Impulserhaltung statt. Die Impulserhaltung ist somit auch kein allgemein gültiges Naturgesetz.

Um jedoch Fehlinterpretationen der obigen Aussage zu vermeiden, es gibt da eine einzige Ausnahme: Falls zwei materielle Körper, welche entweder in Ruhe sind oder gemeinsam eine translatorische Bewegung durchführen, sich mit Hilfe einer gespannten Feder, einer gezündeten Explosivladung oder einem ähnlichen Mechanismus voneinander abstoßen, dann verhalten sich die auftretenden Geschwindigkeiten umgekehrt proportional wie ihre Massen, d.h. es gilt

 

v1/v2 = m2/m1      (1)

 

was natürlich auch wie folgt geschrieben werden kann

 

v1m1 = v2m2      (2)

 

Dies schaut zwar der Form nach wie eine Impulserhaltung aus, ist jedoch keine echte, weil die Gleichung (1) letztlich nur aussagt, daß die auftretenden Geschwindigkeiten sich umgekehrt proportional zu den Massen verhalten. In diesem Sinn könnte man zwar bei der Raktetengleichung weiterhin von "Impuls" sprechen. Man sollte dies jedoch vermeiden, weil der auf Newton zurückgehende Ausdruck "Impetus" eigentlich eine physikalische Fehlgeburt ist und aus der Physik eliminiert werden müßte, damit er zu keinen fehlerhaften Interpretationen führen kann.

Stoßenergiewandler

 

Die vorliegende Erfindung betrifft einen Stoßenergiewandler gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

Im industriellen Bereich sowie in der Forschung besteht vielfach der Wunsch, daß die Stoßenergie eines massenreichen Körpers möglichst verlustfrei auf einen Körper geringerer Masse übertragen wird. Entsprechend den derzeit verfügbaren Physiklehrbüchern soll die Stoßübertragung dabei entsprechend dem sogenannten Impulserhaltungssatz erfolgen, welcher im Grunde nur ein etwas merkwürdige Erbe von Newton darstellt, der bezüglich der "wahren lebendigen Kraft" in eine lang andauernde Auseinandersetzung mit Leibniz verwickelt war und der dabei die Aufrechterhaltung des "impetus" d.h. des Impulses gleich dem Produkt aus Masse mal Geschwindigkeit propagierte.

Tatsächlich läuft ein elastisches Stoßereignis jedoch in einer ganz anderen Art und Weise ab: Wenn ein größerer Massenkörper mit einer Masse m1 und einer Geschwindigkeit v1 auf einen stationären kleineren Massenkörper mit der Masse m2 aufprallt und das ganze Stoßereignis dabei auf elastischer Basis zum Ablaufen gelangt - so wie dies beispielsweise bei dem Aufeinanderprallen von Stahlkugeln der Fall ist -, dann wird der kleine Massenkörper m2 zuerst auf die Geschwindigkeit v1 des großen Massenkörpers m1 beschleunigt. Aufgrund des Prinzips "actio gleich reactio" wird jedoch zusätzlich im Bereich der gemeinsamen Berührungsstelle zwischen den beiden Massenkörpern m1 und m2 eine entsprechend große Menge von Energie in Form von elastischer Verformungsenergie eingespeichert, so daß der kleine Massenkörper m2 durch die Freisetzung dieser elastischen Verformungsenergie zusätzlich noch von dem großen Massenkörper m1 abgestoßen wird. Dies hat dann zur Folge, daß der kleine Massenkörper m2 am Ende des Kollisionsvorgangs mit einer erhöhten Geschwindigkeit von dannen fliegt, wobei es zu einer Verdopplung der zur Verfügung stehenden kinetischen Energie kommt. Die eine Hälfte der vorhandenen kinetischen Energie entspricht dabei der unmittelbaren Beschleunigung des kleinen Massenkörpers m2 auf die Geschwindigkeit des aufprallenden großen Massenkörpers m1, während die andere Hälfte der gleichzeitig dabei zur Einspeicherung gelangenden elastischen Verformungsenergie entspricht. Da die kinetische Energie eines bewegten Körpers jedoch dem Produkt aus Masse mal dem Quadrat der Geschwindigkeit entspricht, beträgt die Geschwindigkeit v2 des davoneilenden kleinen Massenkörpers m2 nach Vollendung des elastischen Stoßvorgangs der , d.h. in etwa dem 1,4-fachen der Geschwindigkeit v1 des aufprallenden großen Massenkörpers m1 ist. Letztlich bedeutet dies, daß ein Tennisspieler beim Aufschlag seinen Tennisschläger mit etwa 140 km/h durch die Luft bewegen muß, damit ein anfänglich in etwa stationärer Tennisball mit etwa 200 km/h im Aufschlagfeld des Tennisgegners zum Aufprallen gelangt. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen, beim Elferschießen muß ein Fußballspieler mit etwa 50 km/h gegen den Ball treten, damit derselbe mit 70 km/h in das gegnerische Tor fliegen kann.

Anhand obiger Ausführungen ist somit erkennbar, daß im Rahmen eines Stoßereignisses ein kleiner Massenkörper im Vergleich zu einem großen Massenkörper maximal eine um etwa 40 % erhöhende Geschwindigkeit erlangen kann. Dies hat jedoch zur Folge, daß dabei nur ein sehr geringer Teil der innerhalb des großen Massenkörpers vorhandenen Stoßenergie tatsächlich auf den kleinen Massenkörper zur Übertragung gelangt.

Es ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Stoßenergiewandler zu schaffen, mit welchem die gesamte Stoßenergie von einem größeren Massenkörper praktisch verlustfrei auf einen kleinen Massenkörper übertragen werden kann.

Erfindungsgemäß wird dies durch Vorsehen der im kennzeichnenden Teil des Anspruchs 1 aufgeführten Merkmale erreicht.

Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich anhand der Unteransprüche.

In dem Folgenden soll die vorliegende Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläuter und beschrieben werden, wobei auf die beigefügte Zeichnung Bezug genommen wird. Dieselbe zeigt dabei schematisch eine Versuchsanordnung, welche das Prinzip der vorliegenden Erfindung erkennen läßt.

Da anhand der zuvor gemachten Ausführungen erkennbar ist, daß die unvollständige Übertragung von Stoßenergie zwischen Massenkörpern mit unterschiedlichen Massenwerten vor allem auf ein vorhandenes mechanisches Stoßfehlanpassungsproblem zurückzuführen ist, wurden vom Anmelder Versuche mit Stahlkugeln durchgeführt, welche unterschiedliche Durchmesser und damit Massenwerte aufwiesen. Es handelte sich dabei um 16 Stahlkugeln 1-16 mit entsprechend gestuften Durchmessern von 32, 30, 27, 25, 23, 21, 20, 18, 17, 16, 15, 14, 13, 12, 11 und 10 mm, von welchen die erste und letzte Stahlkugel 1 und 16 ein Gewicht von 135 bzw. 4,11 g aufwiesen. Entsprechend der Figur wurden diese Stahlkugeln 1-16 der Reihe nach mittels dünner Nylonfäden 17 an einer Stange 18 aufgehängt. Da zwischen der schwersten Stahlkugel 1 und der leichtesten Stahlkugel 16 ein Durchmesserverhältnis von 3,2 bestand und die Masse einer Kugel mit der dritten Potenz des Durchmessers zunimmt, ergab sich bei der beschriebenen Anordnung ein Massenverhältnis zwischen den Kugeln 1 und 16 von etwa 33. Bei einer vollständigen Umwandlung der innerhalb der Stoßenergie ersten Kugel 1 gespeichereten wäre demzufolge eine Geschwindigkeitszunahme der letzten Kugel 16 entsprechend der Wurzel von 33, d.h. von etwa 5,7 zu erwarten.

Obwohl dem Anmelder keine genauen Meßapparaturen wie Hochgeschwindigkeitskameras etc. zur Verfügung standen, so war anhand der sich ergebenden Pendelbewegungen der Kugeln 1 und 16 doch erkennbar, daß bei größeren Auslenkungen der ersten Stahlkugel 1 sich eine Geschwindigkeit der kleinsten Stahlkugel 16 von mehr als dem 5-fachen Wert ergab. Daraus ist zweierlei erkennbar:

1. Das Prinzip einer Stoßenergieumwandlung mit dazwischen gelagerten gestuften Massenkörpern funktioniert und

2. bei einer derartigen Stoßenergietransformation lassen sich Wirkungsgrade in der Größenordnung von 80 bis 90 % ohne weiteres erreichen.

Während bei der beschriebenen Anordnung die einzelnen Massenkörper anhand von Fäden aufgehängt waren, so erscheint es einleuchtend, daß die Lagerung derartiger Massekörper auch innerhalb einer konisch ausgebildeten Führungshülse erfolgen kann. Anstelle von Stahlkugeln können im Rahmen der Erfindung auch zylindrische Massenkörper zum Einsatz gelangen, welche mit mehr oder weniger stark gerundeten Stirnflächen versehen sind. Auch besteht im Rahmen der Erfindung die Möglichkeit, daß zwischen den einzelnen Massenkörpern besondere elastische Elemente vorgesehen sind, so daß die Energiespeicherung in diesem Fall außerhalb der Massenkörper selbst stattfindet. Schließlich besteht auch noch die Möglichkeit, daß der ganze Stoßenergiewandler in Form eines einstückigen konischen Gebildes ausgebildet ist, bei welchem in regelmäßigen Abständen Einschnitte bzw. Durchmesserverengungen vorgesehen sind. Bei einer derartigen Anordnung bilden die einzelnen konischen Abschnitte dabei die gestuften Massenkörper unterschiedlicher Masse, während die Einschnitte jenen Bereichen entsprechen, in welchen eine elastische Verformung bzw. Energieeinspeicherung erfolgt.

Ein im Rahmen der Erfindung ausgebildeter Stoßenergieumwandler kann dabei in beiden Richtungen eingesetzt werden, um kleine Massenkörper entweder mit hohen Geschwindigkeiten oder große Massenkörper mit entsprechend großer Kraft und kleinen Wegen zu bewegen.

Es soll in diesem Zusammenhang noch auf den Umstand hingewiesen werden, daß bei einem Massenverhältnis zwischen dem großen Massenkörper und dem kleinem Massenkörper von 10 000:1 und einer entsprechenden Anzahl von dazwischen liegenden gestuften Massenkörpern eine Geschwindigkeitsvergrößerung des kleinsten Massenkörpers um einen Faktor von 100 zu erreichen ist.

Unter Berücksichtigung der obigen Ausführungen läßt sich die vorliegende Erfindung beispielsweise in den folgenden Bereichen einsetzen:

- Vorrichtungen zum Erreichen der terrestrischen Fluchtgeschwindigkeit von ca. 11 km/s.

- Vorrichtungen zum Beschleunigen sehr kleiner Massenkörper beispielsweise bei der Materialprüfung und

- Vorrichtungen zur Stoßverformung von Metallgegenständen in der metallverarbeitenden Industrie.

Es sei schließlich noch auf den Umstand aufmerksam gemacht, daß bekannte pneumatische, hydraulische und explosive Vorrichtungen, welche vielfach zum Beschleunigen von Massenkörpern eingesetzt werden, generell den Nachteil aufweisen, daß die dabei zu zu erzielenden Geschwindigkeiten von den Strömungsgeschwindigkeiten der vorhandenen gasförmigen und flüssigen Medien abhängen. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist dies jedoch nicht der Fall, weil die auftretenden Ausbreitungsvorgänge in Festkörpern mit sehr hohen Geschwindigkeiten entsprechend einem Mehrfachen der Schallgeschwindigkeit stattfinden. Darüber hinaus besitzt der erfindungsgemäße Stoßenergiewandler bezüglich der Auslegung der Zwischenstufen einen logarithmischen Aufbau, was zwangsläufig die Bereitstellung von Vorrichtungen mit geringer Baulänge zuläßt.

Vom Anmelder wird im übrigen die Auffassung vertreten, daß Physiker, welcher in Teilchenbeschleunigeranlagen wie beim CERN und der DESY arbeiten, sich über die bei elastischen Stoßvorgängen abspielenden Mechanismen gar nicht so recht im klaren sind. Insbesondere dürfte ihnen bisher entgangen sein, daß beim Aufprall eines massenreichen Teilchens auf ein Partikel geringerer Masse eine stoßbedingte Geschwindigkeitszunahme von etwa , d.h. etwa 40 % zu erwarten ist.

 

Patentansprüche

1. Stoßenergiewandler zur möglichst vollständigen Übertragung von Stoßenergie zwischen Massenkörpern unterschiedlicher Masse, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen dem Massenkörper (1) großer Masse und dem Massenkörper (16) kleiner Masse eine Anzahl von Massenkörpern (2-15) mit entsprechend gestuften Massenwerten dazwischengeschaltet ist, welche im Rahmen einer Kette von aufeinanderfolgenden Stoßereignissen die Übertragung von Stroßenergie zwischen Massenkörpern (1-16) unterschiedlicher Masse gestatten.

2. Stoßenergiewandler nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Massenkörper (1-16) derart ausgelegt sind, daß die Massenwerte benachbarter Massenkörper ein Stufungsverhältnis zwischen 1,1 und 1,5, vorzugsweise 1,2 und 1,3 aufweisen.

3. Stoßenergiewandler nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die dazwischengelagerten Massenkörper (2-15) in Form von Stahlkugeln oder Stahlzylindern mit abgerundeten Endflächen ausgebildet sind.

4. Stoßenergiewandler nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den einzelnen Massenkörpern (1-16) zusätzliche elastische Elemente angeordnet sind.

5. Stoßenergiewandler nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß derselbe als ein im wesentlichen einstückiges konisches Massenelement ausgebildet ist, welches in vorgegebenen Abständen mit Einschneidungen bzw. Durchmesserverringerungen versehen ist, wobei die konischen Bereiche den einzelnen Massenkörpern (1-16) entsprechen, während die Einschneidungen bzw. Durchmesserverringerungen den dazwischenliegenden, elastisch verformbaren Bereichen entsprechen.

6. Stoßenergiewandler nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die einzelnen Massenkörper (1-16) innerhalb einer konischen Führungshülse angeordnet sind.

7. Stoßenergiewandler nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Massenverhältnis zwischen dem Massenkörper (1) großer Masse und dem Massenkörper (16) kleiner Masse mehr als 10 000 beträgt.

 

Zusammenfassung

 

Die vorliegende Erfindung betrifft einen Stoßenergiewandler zur möglichst vollständigen Übertragung von Stoßenergie zwischen Massenkörpern unterschiedlicher Masse. Um eine möglichst vollständige und verlustfreie Übertragung der vorhandenen Stroßenergie zwischen einem Massenkörper großer Masse und einem Massenkörper kleiner Masse zu erreichen, ist im Rahmen der vorliegenden Erfindung vorgesehen daß, zwischen dem Massenkörper (1) großer Masse und dem Massenkörper (16) kleiner Masse eine Anzahl von Massenkörpern (2-15) mit entsprechend gestuften Massenwerten dazwischengeschaltet ist, welche im Rahmen einer Kette von aufeinanderfolgenden Stoßereignissen die Übertragung von Stroßenergie zwischen Massenkörpern (1-16) unterschiedlicher Masse gestatten.


Die obige Patentanmeldung schaut eigentlich nach gar nichts besonderem aus. Sie hat es jedoch in sich, weil sie mit guten und schlechten Nachrichten verbunden ist.

 

Zuerst die gute Nachricht:

Angenommen Sie sind ein Golfer, dann könnten Sie damit einiges Geld verdienen, vor allem dann, wenn Sie Golffreunde haben, welche reich sind und gleichzeitig eine Zockerleidenschaft besitzen. Was Sie machen müssen, ist folgendes: Sie organisieren sich einen Golfball, welcher 1,5- bis 2-mal so schwer wie ein normaler Golfball ist. Wo sie denselben herbekommen, bleibt Ihnen überlassen. (Eventuell könnten Sie diesen überschweren Golfball dadurch herstellen, indem sie einen Fahrradschlauch spiralförmig in ein langes, etwa 7 mm breites Gummiband schneiden und mit demselben einen normalen Golfball solange umwickeln, bis der umwickelte Ball das gewünschte Gewicht angenommen hat!). Ganz früh am Morgen oder bei Nieselregen, wenn also niemand Ihnen zuschauen kann, gehen Sie dann auf Ihren Golfplatz und probieren auf der Driving-Range Ihre Schläge aus, indem Sie einen normalen Golfball, welcher gemäß der Schrägung Ihres Golfschlägers entsprechend höher positioniert werden muß, unmittelbar neben Ihren superschweren Golfball legen und dann mit Ihrer dicken Berta so hart wie möglich auf den schweren Ball draufschlagen. Dabei werden Sie feststellen, daß der kleinere Golfball dabei wesentlich weiter fliegt. Wenn Sie dann Ihre neue Schlagtechnik soweit beherrschen, bieten Sie Ihren Golf-Zocker-Freunden 10:1-Wetten an, daß Sie mit Ihrer "Dicken Berta" einen Normalball soundsoweit schlagen können, wobei Sie einen sehr überraschend hohen Wert angeben. Anhand dieser 10:1-Wetten können Sie dann natürlich sehr gut zum Abkassieren kommen. Dies ist jedoch nur etwas für Golfspieler.

 

Was nun die schlechten Nachrichten betrifft, so wäre da einiges anzuführen:

 

Schlechte Nachricht 1:

Da ist zum einen der Umstand, daß wir Steuerzahler hier in Deutschland etwa 700 Millionen Mark für diesen Teilchenbeschleuniger DESY in Hamburg ausgeben. Diese Beschleunigerleute in Hamburg tun dabei den lieben langen Tag über nichts anderes, als daß sie geladene Teilchen wie Protonen oder Elektronen auf sehr hohe Geschwindigkeiten beschleunigen und dann mit anderen Teilchen zur Kollision bringen, um zu sehen, was dabei herauskommt. Bei den in der Folge durchgeführten Berechnungen benutzen Sie die sogenannten Energie- und Impulserhaltungssätze, weil das so in ihren Physikbüchern steht. Nun ist es so, wenn ein großes Teilchen, beispielsweise ein Proton mit einem kleinen Teilchen kollidiert, dann gilt anscheinend weder der Energie- noch der Impulserhaltungssatz, sondern das kleine Teilchen fliegt entsprechend den Ausführungen in der Patentanmeldung mit Wurzel 2, d.h. dem etwa 1,4-fachen Wert der Geschwindigkeit des großen Teilchen davon. Davon ist aber in keinem der bestehenden Physikbüchern die Rede. Fazit: Die sehr kostspieligen Teilchenphysiker von der DESY, welche wir mit unseren Steuergeldern bezahlen, kennen anscheinend nicht einmal die richtigen Stoßgesetze, obwohl ihre eigentliche Aufgabe darin zu bestehen scheint, daß sie stoßen. Letztlich kann daraus nur geschlossen werden: Falsche Physik, falsche Berechnungen und sehr viel Geld zum Fenster hinausgeworfen!

Um einer derartigen Geldverschwendung vorzubeugen, hatte der Bourbaki dann auch in etwa gleichlautende Briefe an die DESY- und die CERN-Leute versandt. Dieser Brief soll in dem folgenden wiedergegeben werden:

 

 

An das
Deutsche Elektronen-Sychrotron DESY
Notkestr. 85
22607 Hamburg

15.08.96

Sehr geerte Herren,
kürzlich las ich in "Bild der Wissenschaft" 7/1996 einen Artikel mit der Überschrift "Aufruhr im Teilchenzoo" von einem Herrn Christian Speicher. Darin wird berichtet, daß das Standardmodell der Elementarteilchen-Pysikers seinen unbefleckten Ruf einzubüßen drohe, weil sich die Quarks bei Frontalzusammenstößen anscheinend nicht so verhalten, wie man dies eigentlich von ihnen erwarten würde. Außerdem scheint man bereits von einer "Spinkrise" zu sprechen.

Ich habe das ungute Gefühl, daß die vorhandenen Probleme zum Teil darauf zurückzuführen sind, daß Ihr Teilchenphysiker mit dem sogenannten Impulserhaltungssatz und dem Drehimpulserhaltungssatz viel zu sorglos umgeht, als Ihr dies eigentlich tun dürftet.

Aus diesem Grund würde ich gerne einmal in Ihrer Institution einen kleinen Vortrag über Impuls und Drehimpuls halten, weil ich mir zumindest einbilde, daß ich darüber mehr verstehe als Ihr Teilchenphysiker. Im übrigen besitze ich zwei kleinere Versuchsmodelle, welche ich zur Erläuterung mitbringen könnte.

Der Impulserhaltungssatz

Aus meiner Sicht ist derselbe überhaupt ungültig. Alles, was erhalten bleibt, ist die kinetische Stoßenergie, d.h. Produkt aus m und v2, nicht aber der Impuls m . v. (Siehe dazu die Patentanmeldung gemäß Anlage.)

Bei einer Frontalkollision von Teilchen unterschiedlicher Masse kann sich zwar die Geschwindigkeit des kleineren Teilchens um den Wert von maximal erhöhen. Dies hat jedoch nichts mit der Impulserhaltung zu tun, sondern allenfalls mit dem Umstand, daß während des zweiten Teils eines elastischen Kollisionsvorgangs die zuvor eingespeicherte Verformungsenergie als zusätzliches Energiereservoir für einen Abstoß zur Verfügung steht.

(Letztlich bedeutet dies auch, daß die Bolzmannverteilung für Gasgemische nicht stimmt, weil leichte Gasmoleküle im Vergleich zu schwereren Gasmolekülen systematisch schneller durch den leeren Raum fliegen. Die Bolzmannverteilung müßte in diesem Fall somit zwei Maximas aufweisen!)

Die Drehimpluserhaltung

Da ich selber nicht verstand, was mit dem Drehimpuls passiert, wenn beispielsweise ein Hammerwerfer sein Sportgerät losläßt, habe ich mir ein kleines Versuchsgerät mit verschiebbaren Eisenkugeln und Zugseilen gebaut, welche durch eine hohle Welle nach unten herausgeführt werden. Dabei hat sich dann folgendes ergeben:

Der Drehimpulserhaltungssatz ist kein allgemeines Naturgesetz und kann auch nicht, wie Newton es versuchte, mit geometrischen Überlegungen abgeleitet werden. Was hier tatsächlich stattfindet, ist, daß ein rotierender Massenkörper bei Radiusveränderungen gegen die vorhandenen Fliehkräfte Arbeit leisten muß. Dies ist dabei ganz unabhängig davon, ob nun ein Eiskunstläufer bei seiner Pirouette die Arme gegen die vorhandenen Fliehkräfte heranzieht oder ob an Seilzügen gezogen wird, die durch eine hohle Welle aus einem rotierenden System herausgeführt werden. Letztlich bedeutet dies aber, daß der Drehimpulserhaltungssatz nichts anderes als ein verdeckter Energieerhaltungssatz ist, bei welchem allerdings die aufzubringende Zentrifugalarbeit hinzuaddiert werden muß. (Falls Sie das nicht glauben sollten, bitte integrieren Sie doch mal selbst die Fliehkräfte eines rotierenden Massenkörpers über einen bestimmten Radiusweg hinweg und Sie werden ganz automatisch über die Energieerhaltung bei der Drehimpulserhaltung landen!)

Dies hat dann allerdings eine ganz wesentliche Folge:
  • Wenn ein Hammerwerfer sein Sportgerät los läßt,
  • eine rotierende Granate im Flug explodiert, oder
  • ein möglicherweise rotierender Atomkern aus irgendwelchen Gründen zerplatzt,
  • dann verschwinden an den davonfliegenden Fragmenten die vorhandenen Fliehkräfte. Dies bedeutet wiederum, daß keine Zentrifugalarbeit mehr geleistet werden kann. Das hat dann aber zur Folge, daß der Drehimpulserhaltungssatz, welcher ja ein verdeckter Energieerhaltungssatz ist, dann nicht mehr gültig ist und die betreffenden Fragmente nur noch gemäß kinetischer Energieerhaltung geradeaus davonfliegen. (Dies ist dann wahrscheinlich auch der Grund, warum mehr als 99 % der Rotationsenergie unseres Sonnensystem in dem Planeten mit weniger als 1 % der Gesamtmasse steckt. Mittels starker Gasausbrüche kann die Sonne anscheinend sehr gut Rotationsenergie in den leeren Raum "abschwitzen"!)

    Ich möchte Sie somit sehr herzlich bitten, daß Sie bei Teilchenbahnberechnungen sehr vorsichtig sind - Impulserhaltung und Drehimpulserhaltung sind sehr unsichere Zeitgenossen!

    Über den Spin getraue ich mir übrigens derzeit kein eigenes Urteil zu, weil ich kein Teilchen-Physiker bin.

    Über eine Stellungnahme zu dieser Thematik würde ich mich sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Georges Bourbaki

     

    1 Anlage


    Leider wurden diese beiden Briefe nie beantwortet.

     

    Schlechte Nachricht 2:

     

    Von dem Physiker Ludwig Bolzmann ist etwas bekannt, was als die "Bolzmannverteilung" bezeichnet wird. Dieselbe gibt die Geschwindigkeitsverteilung an, mit welcher Gasmoleküle sich innerhalb eines geschlossenen Behälters herumbewegen und dabei auf die Gefäßwandungen einen Druck ausüben. Diese Bolzmannverteilung zeigt dabei bei einer bestimmten Teilchengeschwindigkeit ein Häufigkeitsmaximum.

     

    Unter Berücksichtigung der Ausführungen der obigen Patentanmeldung ergibt sich jedoch, daß bei elastischen Stößen kleinere Massenteilchen im Vergleich zu größen Massenteilchen systematisch um diesen Faktor von 1,4 schneller davonfliegen. Dies war dem Herrn Bolzmann sicherlich nicht bekannt, weil davon in seinen Physikbüchern nicht die Rede war. Dies hatte dann auch zur Folge, daß seine Kurve nur ein einziges Häufigkeitsmaximum zeigt. Im Fall eines Gasgemisches mit leichten und schweren Gasmolekülen müßte diese Häufigkeitskurve jedoch zwei Maximas zeigen, was anscheinend jedoch nicht der Fall ist. Konsequenz: Die ganzen Bolzmannkurven für Gasgemische müssen eigentlich neu berechnet werden!

     

    Schlechte Nachricht 3:

     

    Unsere Sonne ist bekanntlich ein Gasball, welcher vor allem aus leichteren Teilchen wie Wasserstoff und etwas schwereren Teilchen wie Helium besteht. Von diesem Gasball wird bekanntlich ein Teilchenstrom abgestoßen, welcher als "Sonnenwind" bezeichnet wird. Falls es nun so sein sollte, daß leichtere Teilchen entsprechend obiger Patentanmeldung systematisch schneller als schwerere Teilchen durch den leeren Raum fliegen, dann müßte dies auch bei der Ausbildung eines Sonnenwindes eine Rolle spielen. Die entsprechenden Berechnungen der Astrophysiker sollten somit diesbezüglich revidiert werden.

     

     

    Schlechte Nachricht 4:

     

    Da in allen Physiklehrbüchern diese Sache mit der Impulserhaltung drinsteht, jedoch anhand des in der Bourbakischen Küche befindlichen Gerätes erkennbar ist, daß der Impulserhaltungssatz nicht stimmt, müssen alle unsere Physiklehrbücher umgeschrieben werden. Für Leute, welche Physiklehrbücher drucken, ist dies zwar gut, aber für Schüler, welche Physiklehrbücher kaufen müssen, ist dies schlecht. Außerdem ist es schlecht für Physiklehrer, welche ihren Lehrstoff ändern müssen. Schließlich ist es schlecht auch für die Leute, welche so Dinge wie den Neuen Brockhaus produzieren, weil da in dem Band mit dem Buchstaben "I" plötzlich Korrekturen erforderlich erscheinen.

     

    Schlechte Nachricht 5:

     

    Schließlich dürfte es auch schlecht zu vermeiden sein, daß bei einer Konferenz der Kultusminister der deutschen Länder diese Sache mit den Stahlkugeln aus der Bourbakischen Küche gelegentlich auf die Tagesordnung gesetzt wird, damit eine neue Direktive bezüglich des allgemein verbindlichen Lehrstoffs an unseren Mittelschulen in dem Fach "Physik" ausgearbeitet wird, wobei dieser ganze Blödsinn mit der Impulserhaltung ersatzlos zur Streichung gelangt. Es erscheint nämlich prinzipiell nicht vertretbar, daß wir von unserer heranwachsenden Jugend verlangen, daß sie ehrenhafte, steuerzahlende Bürger werden sollen, während wir gleichzeitig dieser Jugend an unseren Schulen Unwahrheiten beibringen, weil wir anscheinend zu feige sind, daß wir zugestehen wollen, daß der bisherige Lehrplan falsch war.

     

    Wer übrigens von meinen Internetlesern diese Sache mit den Stahlkugeln nicht glaubt, der sollte sich selber so eine Stahlkugelvorrichtung basteln oder mich in meiner Küche besuchen.

     

    PS: Ceterum censeo speculum esse delendum.