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Was "Er" sich dabei gedacht haben mag |
Jeder Mensch braucht seinen Bundeskanzler. Der unsere heißt Helmut Kohl oder genauer gesagt Dr. Helmut Kohl.
Der sorgt rührend für uns, so z.B. daß wir alle Arbeit haben. Da gibt es zwar so ein paar Arbeitslose, aber dies ist doch nur arbeitsscheues Gesindel und so schlimm wie kurz vor unserem Adolf ist es noch lange nicht. Auch sorgt er, daß wir weiterhin in unseren Wohnungen bleiben können. So eine kleine Mieterhöhung von nur 20 oder 30 % alle drei Jahre ist ja nicht weiter der Rede wert. Und er denkt auch noch für uns alle, damit wir uns geistig nicht zu sehr überanstrengen müssen. Dafür sind wir unserem verehrten Herrn Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl sehr dankbar.
Während der Bourbaki eigentlich nur dann glücklich ist, wenn er gelegentlich über den Brenner gelangt und gleich oben rechts neben der alten Zollstation seinen ersten Capucino trinken kann, fährt unser Bundeskanzler, nachdem er sich in seinem Kanzlerbungalow in Bonn hinreichend abgerackert hat, an seinen geliebten Wolfgangsee, um sich dort von seinen Strapazen zu erholen. Baden tut er da wohl nicht, denn dann würde der See wohl überschwappen. Also macht unser Bundeskanzler lieber seine Spaziergänge um den Wolfgangsee herum - mit Hannelore und ohne Hund, mit Hund und ohne Hannelore, mit Hund und Hannelore, gerade so wie es kommt. Auf diese Weise hat unser Bundeskanzler den Wolfgangsee ganz in sein Herz geschlossen, so daß man sich schon fragen muß, warum dieser See nicht schon längst in Helmut-Kohl-See umgetauft wurde.
Bei seinen Spaziergängen an und um den Wolfgangsee tut unser Bundeskanzler vor allem denken. Denken ist nämlich gesund. Also stellt sich der Bourbaki die Frage, über was denkt unser Bundeskanzler an seinen Spaziergängen um den Wolfgangsee nach? Und dann stellt sich der Bourbaki unseren Bundeskanzler vor, wie er sich nach einer Urlaubsreise am Wolfgangsee in ein Fernsehstudio begibt und seinem Wählervolk aus der Glotze heraus berichtet:
"Liebe Bundesbürger, bei meinem letzten Aufenthalt am Wolfgangsee habe ich über die Welt nachgedacht und da sind mir ein paar ganz gute Gedanken gekommen, was "Er" sich dabei wohl gedacht haben mag. Diese Gedanken möchte ich Ihnen, liebe Bundesbürger, jetzt mitteilen, weil Sie Euch vielleicht als innere Orientierungshilfe dienen könnten."
Aber so etwas tut unser Bundeskanzler nicht, obwohl die Herren von der Sendeplanung der verschiedenen Fernsehstationen mit Sicherheit nichts dagegen einzuwenden hätten, um auf diese Weise das tägliche Fernsehallerlei etwas blumiger zu gestalten.
Also mußte der Bourbaki sich selbst die Mühe machen, darüber nachzudenken, was "Er" sich dabei gedacht haben mag. Unter "Er" soll dabei eine Person verstanden sein, welche zumindest aus Bourbakischer Sicht wesentlich höher als unser Bundeskanzler einzuordnen ist. Das Resultat dieser Bourbakischen Überlegungen ist dabei das folgende:
Was "ER" sich dabei wohl gedacht haben mag?
Es wird zugestanden, daß man sich bei der Beantwortung dieser Frage auf sehr dünnes Eis begibt, muß doch "IHM" im Vergleich zu uns Menschen ein derart hoher Intelligenzquotienz zugestanden werden, daß bereits der Versuch einer Beantwortung einer derartigen Frage aus einer menschlichen Warte heraus als äußerst fragwürdig und anmaßend erscheinen muß. Im Rahmen dieses Buches soll jedoch trotzdem ein derartiger Versuch unternommen werden, weil von einem idealistischen Standpunkt heraus gewisse Dinge gelegentlich doch etwas anders beurteilt werden müssen.
Gesponsert von der "Stiftung Niedersachsen" fand vom 21. bis 27. Mai 1988 in Hannover ein internationaler Kongreß statt, bei welchem großkalibrige Wissenschaftler unterschiedlicher Couleur als Redner aufgeboten werden konnten. Der Kongreß stand dabei unter dem sehr anspruchsvollen Motto "Geist und Natur" (siehe "Geist und Natur". Über den Widerspruch zwischen naturwissenschaftlicher Erkenntnis und philosophischer Welterfahrung", Scherz Verlag, Bern-München-Wien 1989).
Um etwas vorwegzunehmen, der besagte internationale Kongreß erfüllte keineswegs jene Hoffnungen, welche man in ihn gesetzt hatte. Dies darf jedoch kaum verwundern, erlaubt doch unser von den Physikern mit ihrer gefälschten Physik geprägtes materialistisches Weltbild nicht die Behandlung eines derart anspruchsvollen Themas. In diesem Sinn war dann auch ein Artikel in der FAZ "Ursprung aller Dinge? Rückblick auf den Kongreß 'Geist und Natur'" gehalten, in welchem der Journalist Joachim Günter u.a. zum Ausdruck brachte, daß das philosophische Glatteis, welches betreten werden mußte, nicht wenige ausrutschen ließ.
So machte Karl Popper, welcher anstelle des wegen eines Beinbruchs verhinderten Erwin Schargaff eingesprungen war, lange Ausführungen über die Notwendigkeit des Abwurfs der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, was entsprechend dem Artikel in der FAZ zu lautstarken Mißfallensbekundungen aus dem Publikum geführt hatte. Außerdem mußte dann noch die moderne Quantenphysik herhalten, um die menschliche Willensfreiheit irgendwie erklären zu können. Mit dem bekannten Ausspruch: "What is mind? No matter. What is matter? Never mind!" suchte sich hingegen Carl F. v. Weizsäcker aus der Affäre zu ziehen. Ein Gehirnforscher, wie der greise John Eccles, verbiß sich ebenfalls an dieser Thematik, indem er "Landkarten des Geistes" aufzuskizzieren versuchte. Ilya Prigonine, von welchem der Schreiber des FAZ-Artikels anscheinend große Stücke hielt, verwies hingegen auf Eddington, welcher sich zu irgendeinem Zeitpunkt dahingehend geäußert habe, daß es die Zeit sei, welche eine Brücke zwischen der spirituellen Welt und der physikalischen Natur schlagen würde. Derartige Kunstgriffe erscheinen dabei zwangsläufig erforderlich, nachdem das wahre Bindeglied zwischen Natur und Geist in Form des Äthers aufgrund von Blödheit und/oder krimineller Energie der Herren Physiker gegen Anfang dieses Jahrhunderts einfach abgeschafft worden war.
Der einzige, der mit der vorhandenen Thematik einigermaßen zurechtkam, war der Philosoph und jüdische Theologe Hans Jonas, welcher in seiner Rede darauf hinwies, daß die einseitig materialistische Option, die das Seelen- und Geistesleben zur machtlosen Begleiterscheinung physiko-chemischer Gehirnvorgänge mache, an noch tödlicheren Widersprüchen leide als das dualistische Jenseitsaufgebot. Darüber hinaus wäre diese Option auch streng philosphisch wiederlegbar. Unter Hinweis auf das sehr häufig gebrauchte jüdische Prädikat Gottes "rozeh bachajim" - der das Leben will - sprach Jonas dann von einer geistlosen, aber mit der Möglichkeit des Geistes begabten Urmaterie, was dann wiederum zu dem Konzept eines von Anbeginn in der Materie schlafenden Geistes führte. Ohne daß Jonas besonders darauf hingewiesen hätte, wird ein derartiges Konzept auch durch die in der lebenden Natur zu beobachtende Evolution nahe gelegt, welche auf der Basis von natürlicher Selektion und/oder zufallsbedingt auftretenden Mutationen nur sehr bruchstücksweise erklärbar erscheint.
Auch wenn derzeit offengelassen werden muß, ob der Träger dieses "schlafenden Geistes" die Materie selbst oder nicht etwa der wiedergefundene Äther ist, so stellt sich dabei trotzdem die folgende Frage:
- Wenn schon das Ausgangsprodukt in Form von Gott ein rein geistiges Prinzip darstellt und
- wenn der Sinn dieses Kosmos letztlich wiederum die Schaffung von Geist in den verschiedensten Lebensformen zu sein scheint - die auf der Erde auftretende Lebensform "Mensch" mag dabei allein für sich in Anspruch nehmen, gegenüber anderen bekannten Lebensformen am meisten von dieser Substanz "Geist" mitbekommen zu haben -,
wozu wurde dieses Zwischenglied von Materie überhaupt geschaffen ? Wäre es unter den gegebenen Umständen nicht sehr viel einfacher und sinnvoller gewesen, wenn aus einem geistigen Urprinzip heraus unmittelbar geistige Geschöpfe geschaffen werden, ohne daß dabei der relativ komplizierte Umweg über die Materie beschritten werden muß?
Der Umstand, daß dieser Umweg eines materiellen Kosmos mit einem erheblichen Aufwand verbunden war, darf dabei ohne weiteres angenommen werden. Allein der Energiebedarf für die Schaffung von 100 Milliarden Galaxien mit jeweils an die 100 Milliarden Sternen dürfte bei etwa 10100 erg anzusiedeln sein. Und wegen "ein paar schönen Wasserfällen in der Schweiz" dürfte sich ein derartiger Aufwand dann wohl auch kaum lohnen. Wozu also war dieser sehr aufwendige materielle Kosmos überhaupt erforderlich?
Im Hinblick auf die Beantwortung einer derartig difficilen Frage sei daran erinnert, daß eine der wesentlichsten Eigenschaften des materiellen Kosmos seine zeitliche Vergänglichkeit darstellt, indem nicht nur das Leben selbst, sondern generell auch alle stellaren Objekte einschließlich der aus diesen Objekten aufgebauten Galaxien dieser Eigenschaft einer Vergänglichkeit unterliegen.
In diesem Zusammenhang erscheint es erwähnenswert, daß materielle Strukturen ein dynamisches Systemverhalten zeigen, indem innerhalb vorgegebener Zeitintervalle die verschiedensten Entwicklungsstadien durchlaufen werden können, was wohl eine der wesentlichsten Eigenschaften der Natur darstellt.
Anders verhält es sich mit Strukturen, welche keiner zeitlichen Begrenztheit unterliegen. Derartige Strukturen müssen dabei zwangsläufig eine statische Auslegung besitzen, weil die Bereitstellung eines zeitlich unbegrenzten Zeitraumes das Durchlaufen aller nur irgendwie denkbarer Zustandsmöglichkeiten erlaubt, und somit auf die Dauer zwangsläufig zu Zustandwiederholungen führen muß. Letztlich bedeutet dies, daß zeitliche Unbegrenztheit und die Entwicklungsfähigkeit eines Systems Eigenschaften darstellen, welche sich gegenseitig ausschließen.
Wenn man nunmehr davon ausgeht, daß das geistige Urprinzip des Kosmos auf einer zeitlich unbegrenzten Skala wirksam ist, dann ist erkennbar, daß die auf dieses geistige Urprinzip zurückgehenden geistigen Geschöpfe nur dadurch die Eigenschaft einer eigenen Entwicklungfähigkeit erhalten konnten, indem man denselben ein zeitlich begrenztes Existenzintervall vorgibt bzw. deren Entwicklungsintervall zeitlich beschränkt. In diesem Sinn muß wohl der uns umgebende materielle Kosmos als jenes zugegebenermaßen recht aufwendige Mittel angesehen werden, mit welchen in ein auf einer zeitlosen Basis operierendes System künstlich Vergänglichkeit hineingebracht werden kann. Die vielfach von uns Menschen nicht so recht geschätzte Eigenschaft der eigenen Vergänglichkeit muß dann wohl als jener Preis angesehen werden, welcher für die Erzielung der eigenen Entwicklungsfähigkeit bezahlt werden muß.
Anhand derartiger Überlegungen ergeben sich die folgenden Schlußfolgerungen:
1. Geist ist nicht das Produkt von Materie, sondern Materie allenfalls das Produkt von Geist.
2. Der Sinn des materiellen Kosmos ist die künstliche Erzeugung von Vergänglichkeit.
3. Aufgrund der vorgesehenen Vergänglichkeit ergibt sich erst die Möglichkeit, daß die auftretenden Geschöpfe dieses Kosmos die unbedingt erstrebenswerte Eigenschaft einer eigenen Entwicklungsfähigkeit erhalten. Aus einem statischen Zustand des SEINS kann somit ein dynamischer Zustand des WERDENS erzeugt werden.
4. Der Tod eines einzelnen Geschöpfs ist letztlich nur der große Vollender eines Lebens, wobei es offen gelassen werden muß, was in der Folge passiert.
Unter Berücksichtigung obiger Ausführungen ergibt sich im übrigen der Eindruck, daß innerhalb unserer westlichen Zivilisation die weitgehend betriebene Tabuisierung des Todes einer ernsthaften Revision unterzogen werden sollte.
Es soll hier nicht behauptet werden, daß die obigen Ausführungen in allen Punkten einer unumstößlichen Wahrheit entsprechen und daß damit die vorhandene Thematik vollkommen vom Tische sei. Aber als Ausgangspunkt für eine längere Fernsehdiskussion, zu welcher namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens geladen werden könnten, dürfte der dargelegte Stoff alleweil ausreichen.
PS: Ceterum censeo speculum esse delendum.