
Auflage streng limitiert! - siehe Gate A4
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Der Sündenfall der Physik |
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Als sogenannter "Freelancer" hat man es nicht immer leicht. Da bringt einer beispielsweise voll von Enthusiasmus ein Buch wie den "Sündenfall der Physik" im Eigenverlag heraus und schickt daraufhin ein Freiexemplar an einen Physik-Nobelpreisträger wie den von Klitzing. Anstelle, daß derselbe sich nun freundlich für das Geschenk bedankt, tobt derselbe in seinem Antwortschreiben vom 15.1.1991 wie blöd los: "...keine Intersse habe, weiterhin Anlaufstelle für verfolgte Genies zu sein, die ihre Weisheiten nur durch Veröffentlichungen im Selbstverlag verbreiten können." Oder da heißt es in einem Artikel von der lieben Tante Zeit vom 21. Juni 1995: "Ihre Denkgebäude, im Eigenverlag veröffentlicht, und Wissenschaftsredakteuren bestens bekannt, können natürlich auch dieses neue Experiment zwangslos erklären." (Die Tante Zeit spricht dabei ganz eindeutig von meinem "Sündenfall der Physik", obwohl sie sich nicht getraut hatte, denselben explizit zu nennen - siehe B3).
Warum die Leute wohl auf Autoren herumhacken, welche Bücher im Eigenverlag herausbringen? Ein Buch in einem großen Verlagshaus herauszubringen, das kann doch jeder! Da scheibt man nur viele Manuskriptseiten voll mit seinen geistigen Ergüssen, trägt das Manuskript dann zum Verleger und der macht den Rest: Er sorgt dafür, daß die alte oder neue deutsche Rechtschreibung aus dem Duden angewendet wird, daß das Copyright von den Bildern erworben werden kann, daß diese Bilder mit oder ohne Farbe an der richtige Stelle in das Buch gelangen, daß die erforderlichen Fußnoten hinzukommen, daß hinten im Buch ein alphabetischer Index mit den richtigen Seitenzahlen entsteht, daß ein künstlerischer Bucheinband gefunden wird, daß da noch jemand einen Klappentext dazuschreibt etc., etc. Und der Autor muß sich nur zurücklehnen und abwarten, bis die Tantiemen zu fließen beginnen. Vielleicht muß er ein paarmal bei so einer Dichterlesung in einer Buchhandlung anwesend sein und dabei seine Bücher signieren. Aber das dürfte doch nicht so schwer sein, weil Autoren in der Regel schreiben und lesen gelernt haben. Oder irre ich mich da etwa?
Mit den Büchern im Eigen- oder Selbstverlag, da ist es etwas ganz anderes: Da muß der Autor alles machen, von dem Einband, der Rechtschreibung, dem Umbruch, der Schriftwahl, der Papiersorte und dem Papierformat. Auch den Drucker muß er organisieren und am Schluß darf er alles noch bezahlen. Und außerdem muß er zusehen, wie er das ganze gedruckte Zeug wieder los wird, ohne daß es auf den Ramschtischen landet. So ein Bertelsmann-Vertriebssystem ist natürlich eine wunderschöne Sache, aber für die sogenannten "Freelancer" ist so etwas unerreichbar.
Anstelle also von überall her sehr viel Lob für dieses im Selbstverlag herausgebrachte Kunstwerk zu ernten, wird man von den Mitbürgern einschließlich den renommierten Nobelpreisträgern und der Tante Zeit nur in der bekannten Weise beschimpft! Schnöde Welt - soll doch mal so ein Nobelpreisträger oder die liebe Tante Zeit selbst versuchen, ein Buch im Eigenverlag herauszubringen. Dann dürften die schon merken, wie viel Schweiß und Arbeit damit verbunden ist!
Und dabei hatte der Bourbaki ursprünglich gar nicht die Absicht gehabt, sein Buch im Selbstverlag herauszubringen. Mit Hilfe weiblicher Verbindungen stand er nämlich eines Tages - es muß gegen Ende der 80iger Jahre gewesen sein - in dem sehr feudalen Büro des Herrn Dr. Fleissner am Thomas-Wimmer-Ring in München, ganz oben im vierten oder fünften Stock, und präsentierte dort sein Publikationsproblem, worauf der Herr Fleissner, welcher sich im Laufe seines langen Lebens eine ganze Latte von Buchverlagen zugelegt hatte, durchaus freundlich durchblicken ließ, daß mit dem vorgetragenen Thema in der Tat ein Buch zu machen sei, worauf ein gewisser Herr Hemminger, zuständig für die Erstellung von Sachbüchern, mit der weiteren Betreuung des neuen Autors beauftragt wurde.
Und damit fingen die Probleme des Bourbaki eigentlich erst an: Dieser Herr Hemminger - nomen est omen - entpuppte sich nämlich als ein wahrer Hemmschuh in dieser Angelegenheit. Jedesmal, wenn der Bourbaki mit einer noch vollständigeren Manuskriptversion seines Sündenfalls am Thomas-Wimmer-Ring auftauchte, polterte der Herr Hemminger los: "Sie müssen schreiben wie der Ditfurth das macht oder der Buttlar, so geht es nicht etc.", worauf er dann sehr schnell wieder in seinem Kabuff verschwand oder sich anderweitig entschuldigte.
Aufgrund derartiger Vorkommnisse entwickelte der Bourbaki im Laufe der Zeit geradezu einen abgrundtiefen Haß auf diese Herren von Ditfurth und Buttlar, wobei zu bemerken wäre, daß der Bourbaki auf den Ditfurth sowieso nicht allzu gut zu sprechen war, weil ihn derselbe bereits einige Jahre zuvor in einer Südamerika-Angelegenheit gelinkt hatte, auf dessen Einzelheiten hier nicht näher eingegangen werden soll.
Im Grunde ist auch gar nicht einsehbar, was gegen die Bourbakische Pfote eigentlich einzuwenden wäre, schreibt doch jeder Mensch mit seiner eigenen Pfote, so daß nicht verständlich ist, warum er plötzlich mit der Pfote eines Herrn Ditfurth oder eines Herrn Buttlar schreiben sollte. Denen hat doch auch niemand gesagt, daß sie etwa mit der Pfote eines Herren Cicero oder sonst einer anderen Persönlichkeit schreiben sollen. Was diese Cheflektoren sich wohl einbilden, daß sie ihren neuen Autoren unbedingt Pfoten anderer Leute verpassen müssen. Da könnte man ja gleich ins "Rechts-der-Isar" gehen, um sich dort eine neue Hand annähen zu lassen.
Und abgesehen davon - diese Pfote vom Bourbaki, welche irgendwo eine etwas merkwürdige Mischung von Saint-Exhupéry, Hemingway, Henry Miller oder sonst noch was sein mag, ist im Grunde ja auch gar nicht so schlecht, schrieb doch später ein Leser meines Sündenfalls: "... die Sprache herzerfrischend, mitunter keck und frech, die Argumente gut fundiert und fast ausnahmeslos überzeugend, das Ganze mit etwas Selbstironie und Witz durchsetzt und alles und allem großartig aufrüttelnd." Pech nur, daß dies der Herr Hemminger vom Langen-Müller-Ullstein-Verlag nicht gleich am Anfang auch bemerkt zu haben scheint.
Da mit dem Herrn Hemminger auf die Dauer kein Blumentopf zu gewinnen war, mußte dieser Sündenfall der Physik am Ende dann doch im Eigenverlag herausgebracht werden, was wie bereits erwähnt mit erheblicher Arbeit und Streß verbunden war. Fast wäre die ganze Sache auch noch in die Hose gegangen, weil der arme Setzer für das Buch zuvor einen Münzauktionskatalog für das Bankhaus Aufhäuser zu erstellen hatte, wobei dieser verdammte Münzkatalog mit einer derartigen Fülle von griechischen und kyrillischen Symbolen gespickt war, daß der Setzer beinahe mit einem Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus gekommen wäre.
Während sich all diese Kalamitäten abspielten, mußte dann auch noch die ganze Frankfurter Aktion durchorganisiert werden, was dem Bourbaki seinerzeit veranlaßt hatte, an den Herrn Polizeipräsidenten der Stadt Frankfurt ein Schreiben zu richten, in welchem er die höfliche Anfrage machte, ob ihm nicht der Herr Polizeipräsident für die geplante Verkaufsaktion leihweise einen Schützenpanzer zur Verfügung stellen könne, während er gleichzeitig für sich und seine Freunde wegen der Gefährlichkeit der Aktion um Polizeischutz bat. Mit Schreiben vom 7. August 1990 wurde dann dem Bourbaki vom Frankfurter Polizeivizepräsidenten Frerichs die Mitteilung gemacht, daß die Frankfurter Polizei weder einen Schützenpanzer noch ein ähnliches Einsatzmittel zur Verfügung stellen könne, während der Herr Polizeivizepräsident zusätzlich noch zu erkennen gab, daß der Bourbaki mit seinen Mannen denselben Schutz wie alle anderen Aussteller erhalten werde, was natürlich im Klartext bedeutete, daß man sich in Frankfurt auch ohne unmittelbaren Polizeischutz herumzubewegen habe. Glücklicherweise erwies sich dies dann doch nicht als erforderlich, weil erstaunlicherweise trotz des Rubensschen Höllensturzes auf dem Titelblatt weder der Bourbaki selbst noch sein Kleintransporter mit den darin befindlichen unverkauften "Sündenfällen" mit einer Autobombe in die Luft gesprengt wurden. Davon kann natürlich so ein nobelpreisgeschädiger Klitzing mit seiner bösartigen Selbstverlag-Bemerkung keine Ahnung haben.
Da somit diese Frankfurter Angelegenheit ganz ohne Schützenpanzer vonstatten gehen mußte, begnügte man sich seinerzeit mit einem mitgebrachten Tapeziertisch, auf welchem das Bourbakische Erstlingswerk feinverteilt zur Präsentation gelangte. Liebe Internetbenutzer, hier sehen sie den Bourbaki zusammen mit seiner damaligen Freundin Michaela in Aktion:
Um
die Dramatik ein wenig anzuheizen, wurde ferner ein Plakat des
armen Herren Albert Einstein gezeigt, dessen herausgestreckte
Zunge mit Hilfe einer aufgeklebten Pappkartonschere gerade
abgezwackt wird. Daneben stand auf dem Tapziertisch seinerzeit
noch ein schwarz angestrichener Stuhl ohne Sitzfläche, auf
dessen Rückenlehne zu lesen war: "Der Leerstuhl der
Theoretischen Physik". Darunter war dann noch ein
schwarz angestrichener Nachttopf von Kustermann, auf welchem -
wie abgeschmackt - zu lesen stand: "Analen der
Physik".
Die Frankfurter Buchmesse war dann schon irgendwie erstaunlich: Ich glaube noch nie in meinem ganzen Leben eine derartige Horde von Menschen auf einem Haufen zusammen gesehen zu haben, bei welchen ein derartiger Kontrast bestand zwischen dem, was sie nach außen hin vorgeben - nämlich Interesse, Determiniertheit, zielgesetztes Handeln -, und was tatsächlich stattfand, nämlich eine absolute innere Leere. Nun, das ganze Volk trabte in einer derartigen Vehemenz an unserem Tapeziertisch vorbei, als ob hinter den Eintrittsschranken der Buchmesse nur noch der ganz große Lottogewinn abgeholt werden müsse. Möglicherweise lag da drinnen auch eine unendlich große Kulturmuttersau mit 100 000 Zitzen, an denen die nach Kultur lechzenden Superdeutschen endlich ihr kleines Quäntchen von Kultur in sich hineinsabbern konnten. Das alles hatte zur Folge, daß die von den Bourbakischen Mannen zur Verteilung gelangenden Flugblätter wegen der im Inneren wartenden Kulturmuttersau mit ihren vielen Zitzen einfach weggesteckt und letztlich unbeachtet geblieben sind.
Zu allem Überfluß tauchte dann auch noch der bereits als verloren geglaubte Herr Hemminger vor der Toren der Frankfurter Buchmesse wieder auf, gratulierte zu dem sehr schönen Buch mit seinem bunten Titelblatt und den sehr gelungenen Flugblättern und verschwand daraufhin ebenfalls auf seinem Weg zu den Zitzen. Wieviele Leute durch diese Kulturstoßtherapie Durchfall bekamen, ist dem Bourbaki übrigens nicht bekannt.
Und jetzt möchte ich Sie, lieber Internetbenutzer, mit meiner kleinen Geschichte nicht mehr länger aufhalten. Hier das Vorwort aus dem Buch "Der Sündenfall der Physik":
Vorwort
Ob ich, Georges Bourbaki, ein vollkommen normaler Mensch bin, kann ich selbst nicht so ganz beurteilen. Fest steht jedoch, daß eine meiner besonderen Eigenschaften die mir innewohnende ganz außergewöhnliche Neugier ist: Schon als Kind machte ich zu Hause alle Uhren kaputt, bloß um herauszufinden, wie es drinnen aussieht, was bei den zu meiner Überwachung engagierten Kindermädchen vielfach zu vehementen Tränenausbrüchen geführt hatte, so wie mir dies in späteren Jahren berichtet wurde.
Obwohl ich meinen Lebensunterhalt, einschließlich den meines Finanzamtes, durch Ausübung ganz anderer Tätigkeiten bestreite, brachte mich die erwähnte, auch heute noch sehr stark ausgeprägte Neugier dazu, daß ich eines Tages damit anfing, mich für die Einsteinsche Relativitätstheorie zu interessieren, allein aus dem Grunde, daß wenn ich schon, aus was für immer auch gearteten Gründen, einige Jahrzehnte hier auf dieser Erde zu verbringen hatte, ich es auch für angebracht erachten würde, wenn ich während dieser an sich kurz bemessenen Zeitspanne wenigstens die Realität des mich umgebenden Universums zum Teil begreifen und verstehen lernen würde.
Ich weiß zwar nicht, ob es Ihnen schon einmal so ergangen ist: Sie fahren mit dem Auto nach Marokko und aus unerklärlichen Gründen gibt Sie die Fähre von Algeciras nach Tanger erst spät nachts auf der afrikanischen Festlandseite frei. Nur um möglichst schnell ins Landesinnere zu gelangen, beschließen Sie, gleich in der Nacht weiterzufahren und irgendwo in den ersten Bergen des Atlasgebirges steigen Sie aus Ihrem Auto aus, um eine kleine Zigarettenpause einzulegen, und da ist dann plötzlich dieser wahnsinnige Himmel mit seinen Millionen von Sternen über Ihnen, dessen Existenz Sie unter Normalbedingungen wegen unserer Industrieabgase nur mühsam erahnen können. Oder Sie fahren nachts mit einem Bus durch den Nordosten Brasiliens, um bei der Weite des Landes von irgendwo nach irgendwohin zu gelangen. Plötzlich fängt diese Chimäre von einem Vehikel zu spucken an und bleibt stehen, bloß weil ein winziges Teil innerhalb der Einspritzpumpe nicht mehr so richtig mag. Und dann liegen Sie nachts auf der noch sonnendurchwärmten Straße mit Blick nach oben und da ist er wieder, dieser Himmel mit seinem unendlichen Gefunkle, das einem zum Zugreifen einlädt. Und irgendwann packt es einen dann: Verdammt nochmal, eigentlich hätte man doch zu gerne gewußt, was "Er" sich da gedacht hat, als "Er" das alles mit ziemlichen Aufwand in die Wege leitete. Und irgendwo ist man doch wiederum dankbar, weil man das Gefühl hat, wenigstens während einiger kurzer Augenblicke Teilnehmer an dieser phantastischsten aller Aufführungen zu sein.
Von einer kosmologischen Art von Fernweh gepackt, liest man sich dann durch die auf dem Markt befindlichen Bücher über Astronomie hindurch, um zu untersuchen, was auf diesem Gebiet an Wissenswertem zur Verfügung steht, wobei man erkennt, daß gerade in den letzten Jahren unser menschliches Wissen über diesen unseren Kosmos aufgrund erheblicher technischer Fortschritte enorm zugenommen hat. Etwas erstaunlich ist dabei allein die Tatsache, daß merkwürdigerweise das von Einstein geprägte physikalische Weltbild nicht so recht in diese Landschaft der modernen Astronomie hineinzupassen scheint, so daß man sich dann die Frage stellt, welche Gründe wohl vorliegen mögen, damit eine derartige Diskrepanz zu Tage treten kann. Um diesbezüglich Klarheit zu schaffen, erschien es mir eines Tages angebracht, gerade hier an diesem Punkte anzusetzen, ist es doch nicht so ganz meine Eigenschaft, vorhandenen Schwierigkeiten aus dem Wege gehen zu wollen. In diesem meinem Bestreben suchte ich demzufolge auf derlei Dinge spezialisierte Buchhandlungen auf, erstand die in diesem Zusammenhang mir als interessant erscheinenden Bücher und fing an, mich von vorne nach hinten durch die ganze Relativität hindurchzugraben. Obwohl dies eigentlich gegen meine Prinzipien ist, benützte ich dabei eine Reihe farbiger Filzstifte, um das zu unterstreichen, was mir als wichtig erschien, und mit Fragezeichen zu versehen, was einer weiteren Klärung bedurfte. Im Rahmen dieser Tätigkeit dauerte es dann gar nicht so lange, bis bestimmte Zeitschriftenartikel eine besondere Bedeutung erhielten, was mein weiteres Betätigungsfeld in die Lesesäle der größeren Bibliotheken verlegte. Dies senkte zwar meinen Lebensstandard und den meines Finanzamtes, brachte mich aber in der Sache erstaunlich weiter.
Während meine ursprünglichen Ambitionen mehr in die Richtung gingen, an dem Einsteinschen Lehrgebäude allenfalls geringfügige Korrekturen vornehmen zu wollen, eröffnete sich mir plötzlich ein ungeahnt weites Betätigungsgeld: Als ich nämlich daran ging, ganz sachte an dem Haselnußbusch der menschlichen Erkenntnis zu klopfen, um auf diese Weise ein kleines Kaninchen herausspringen zu lassen, stampfte sehr zu meinem Verblüffen und auch Erstaunen ein riesiger Elefant mit langen Stoßzähnen daraus hervor. Aus der eingangs von mir bereits erwähnten Neugier klopfte ich dann weiter, was das Heraustreten weiterer Elefanten hervorrief, bis schließlich eine ganze Elefantenherde um mich versammelt war, wobei nicht so ganz klar war, wer eigentlich vor wem mehr Angst hatte, bestanden doch zwischen mir und meinen Elefanten so gewisse Kommunikationsprobleme.
In dem nunmehr Ihnen zu Händen liegenden Buch möchte ich von diesen Elefanten erzählen, die mir beim Beklopfen des Haselnußbusches der menschlichen Erkenntnis so unvermittelt entgegengetreten waren. Meine Leser möchte ich dabei bitten, sie gut zu behandeln - es sind meine Freunde!
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Um jedoch etwas mehr zur Sache zu kommen: Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Elektronik im Anschluß an die Erfindung des Transistors und der daraus entwickelten integrierten Schaltkreise in den letzten Jahren einen ungeheueren Aufschwung genommen hat, welcher dahin geht, daß bereits jetzt oder zumindest in naher Zukunft komplizierte Maschinen wie Kraftfahrzeuge unter Einsatz von elektronisch gesteuerten Robotern vollautomatisch hergestellt werden können. Ähnliches gilt für die elektronische Einstellung von Konstruktionszeichnungen und dgl., wobei derzeit noch gar nicht abzusehen ist, wohin die Entwicklung führt. Ein entsprechend kolossaler Aufschwung ergab sich in den letzten Jahren ebenfalls im Bereich der Biologie, welche nach der Entschlüsselung des genetischen Codes nunmehr die Durchführung von Genmanipulationen zuläßt, was zugegebenermaßen ein Spiel mit dem Feuer sein mag, jedoch gerade im Hinblick auf die sich ergebenden Möglichkeiten auf dem pharmazeutischen Sektor an einen erheblichen technischen Fortschritt glauben läßt. Als weiteres Gebiet mit großer Entwicklungsmöglichkeit ist schließlich die Raumfahrttechnik zu rechnen, welche durch den Einsatz von bemannten Raumstationen und unbemannten Satelliten unser Wissen vom Weltraum einerseits vorantreibt, andererseits die Erstellung weltweiter Informationsnetze ermöglicht.
Wenn man sich jedoch in der Physik umsieht, dann ist mit Erstaunen festzustellen, daß trotz eines erheblichen finanziellen Aufwandes in den letzten 50 bis 100 Jahren eigentlich sehr wenige Erfolgsmeldungen zu verzeichnen waren. Außer einer mehr oder weniger gut funktionierenden Atomreaktortechnik, deren Beherrschbarkeit im übrigen weitgehend ein Verdienst der Elektronik zu sein scheint, und möglicherweise einer sehr erfolgversprechenden Laser- und Lichtleitertechnik, welche ebenfalls eher als ein Erfolg der Ingenieurwissenschaften anzusehen ist, kann die Physik im Grunde nur mit einem enormen Teilchenzoo aufwarten, welcher jedoch weder erklärt, was Materie ist, noch wie sie im einzelnen aufgebaut ist. An andere Detailfragen, wie das Zustandekommen von elektrischen und magnetischen Feldern, die Entstehung von Gravitation, das Auftreten von Massenträgheit und derlei Dinge traut sich die Physik schon gar nicht mehr heran, oder falls sie dies etwa tun sollte, dann werden diese für das Verständnis unseres Kosmos so wichtigen Faktoren in einem Heuhaufen von mathematischen Formeln vergraben, ohne daß sich dabei der Eindruck ergibt, daß die menschliche Erkenntnisfindung auch nur um einen Deut weitergekommen wäre.
Um jedoch auf meine Elefantenherde von vorhin zurückzukommen: Der wahre Grund für das recht schlechte Abschneiden der Physik scheint ganz einfach der zu sein, daß sich dieser Bereich der menschlichen Erkenntnisfindung in einer absolut unergiebigen Sackgasse befindet, wobei sich die Physik trotz kritischer Stimmen aus verschiedenen Lagern mit ziemlicher Borniertheit weigert, aus der selbstverschuldeten Sachgasse wieder herauszukriechen. So wie ich diese Sachgasse aus heutiger Sicht beurteilen kann, begann dieser Vorgang des Abweichens vom "Pfade der Tugend" genau im Jahre 1905, wovon in der Folge noch ausführlich die Rede sein wird.
Es muß zwar zugestanden werden, daß Irren menschlich ist. Was aber den geschilderten Vorgang als absolut einmalig zu machen scheint, ist die Tatsache, daß dieses Sich-Irren der Physik im Jahre 1905 begann und wir heute das Jahr 1990 schreiben, so daß dieser Abirrungsvorgang nunmehr bereits über 80 Jahre andauert, und dies trotz der Schnellebigkeit und der mittlerweile vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten unseres 20. Jahrhunderts. Dabei scheint es eine beinahe aberwitzige Situation zu sein, wenn gerade auf einem so wichtigen Gebiet wie der Physik die Menschheit sich den kolossalen Luxus leistet, diesen einnmal zustande gekommenen Zustand des Irrens ad infinitum aufrechthalten zu wollen. Wenn also diesem Buche der Titel "Sündenfall der Physik" gegeben worden ist, dann im Hinblick auf die erhebliche Dauer des geschilderten Vorgangs und die in den Kreisen der Physik anscheinend vorhandene Borniertheit, kritische Stimmen von außen her einfach nicht wahrnehmen zu wollen, bzw. gefälligst zu ignorieren.
Um jedoch bei meinen Lesern nicht den Eindruck zu erwecken, ich würde den Mund etwas zu voll nehmen, möchte ich bereits vorab an einem Beispiel aufzeigen, in welchem Maße im Bereich der Physik eine gewisse Bereitschaft vorhanden ist, daß mit vorhandenen Realitäten bewußt oder aus einer gewissen Weltfremdheit heraus, sehr locker umgegangen wird. Im Laufe des 18. und insbesondere des 19. Jahrhunderts wurde bekanntlich das von den Griechen übernommene Konzept eines den Weltraum füllenden Äthers weiterentwickelt, in dem dieser Äther als das Ausbreitungsmedium für das optische Phänomen des Lichts erkannt wurde, von welchem anhand von Interferenzversuchen mittlerweile bekannt war, daß es sich um ein Wellenphänomen handeln mußte. 1905 schrieb dann Albert Einstein in seinem berühmten Artikel "Zur Elektrodynamik bewegter Körper" am Ende des zweiten Absatzes:
"Die Einführung eines Lichtäthers wird sich insoweit als überflüssig erweisen, als nach der zu entwickelnden Auffassung weder ein mit besonderen Eigenschaften ausgestatteter absoluter ruhender Raum eingeführt, noch einem Punkte im leeren Raum, in welchem elektromagnetische Prozesse stattfinden, ein Geschwindigkeitsvektor zugeordnet wird."
Mit diesem einzigen Satz von ursprünglich fünf Zeilen wurde das gesamte von Aristoteles entwickelte und über 2000 Jahre bestehende Konzept eines den Weltraum füllenden Äthers vom Tisch gefegt. Wenn man aber diesen für die Physik des 20. Jahrhunderts so entscheidenden Satz noch einmal durchliest, dann merkt man, daß alles, was Albert Einstein als Begründung der Nichtexistenz eines Äthers anzubieten hatte, die Feststellung war, daß ein derartiger Äther in seinen Berechnungen nicht vorkäme, was mit Sicherheit nicht ausreichend sein dürfte, um ein über 2000 Jahre bestehendes gültiges Konzept der Physik zu eliminieren.
Darüber hinaus ist die von Albert Einstein im Jahre 1905 vorgenommene Maßnahme einer Überflüssigkeitserklärung des Äthers schlicht und einfach falsch. Warum? In der Elektrotechnik werden bekanntlich in allen Schwingkreisen Kondensatoren und induktive Spulen verwendet, wobei die Kapazität eines Kondensators unter anderem von einer Größe abhängt, welche als Dielektrizitätskonstante bezeichnet wird, die auch im Vakuum einen bestimmten Wert e o aufweist. Dasselbe gilt für kernfreie induktive Spulen, bei welchen im Vakuum eine magnetische Feldkonstante mit einer bestimmten Größe µo auftaucht. Da anhand der beiden Größen e o und µo die Lichtgeschwindigkeit berechnet werden kann - Kohlrausch und Weber hatten 1856 erstmalig die Lichtgeschwindigkeit auf diese indirekte Weise bestimmt, wobei sie einen ganz passablen Wert von 310,800 km/s erhielten - mußte es selbst einen noch so unbedarften Einstein klar sein, daß die beiden Größen e o und µo einerseits unmittelbar mit der Lichtausbreitung etwas zu tun haben, andererseits Eigenschaften des leeren Raumes bilden und dabei auch dann auftreten, falls innerhalb dieses sogenannten "leeren Raumes" keine Lichtstrahlen vorhanden sind. Aus meiner Sicht läßt dieser Tatbestand gar keine andere Interpretation zu, als daß eben doch ein der Lichtausbreitung dienender Äther vorhanden sein muß, welcher diese beiden Eigenschaften e o und µo besitzt. Über die sonstigen Eigenschaften eines derartigen Äthers braucht dabei derzeit überhaupt noch keine weitere Festlegung erfolgen.
Wenn nun Albert Einstein - in allen Physikbüchern wird er als der große Physiker unseres Jahrhunderts gepriesen - im Sinne seiner Speziellen Relativitätstheorie die Feststellung machte, daß die Einführung eines Lichtäthers sich als überflüssig erweise, dann mag dies zwar aus der Einsteinschen Sicht durchaus verständlich erscheinen, denn nur so konnten die Voraussetzungen geschaffen werden, um mit den Größen "Länge" und "Zeit" in der gewünschten Weise umspringen zu können. Mit der physikalischen Realität hat eine derartige Einstellung jedoch wenig zu tun, denn die selbst im Vakuum auftretenden Größen e o und µo können nun einmal nicht wegdiskutiert werden, funktionieren doch die in der Elektrotechnik verwendeten Kondensatoren und induktiven Spulen nur dann, wenn ihnen ein diese beiden Feldgrößen aufweisender Äther zur Verfügung gestellt wird. Im ganzen literarischen Schaffen Albert Einsteins kommen dann auch soweit erkennbar die Worte "Kondensator" und "induktive Spule" nicht ein einziges Mal vor, was durchaus verständlich erscheint, weil Menschen mit kosmischen Ambitionen sich nur sehr ungern mit Trivialitäten wie Kondensatoren und Spulen beschäftigen und zudem bei der Erstellung der erwähnten Theorie sich die erwähnten Größen als sehr störend ausgewirkt hätten.
Nun ist es so: Wir leben in einer angeblich demokratisch strukturierten Welt, in welcher jeder glauben und lassen kann, was er will und in welcher auch jeder das Recht hat, seine persönliche Meinung nach außen hin zu vertreten. Dies gilt zweifelsohne auch für Herrn Einstein, welcher in seinen Veröffentlichungen das formulieren durfte, was er als richtig empfand. Dasselbe gilt natürlich auch für alle theoretischen Physiker dieser Erde, welchen durchaus das Recht eingeräumt werden muß, daß sie ihre Vorstellungen von dieser Welt derart gestalten, daß sie in einer Art "kosmischem Disneyland" leben können. Aus der Sicht des Autors führt dieser anscheinend bei den Herrn Physikern vorhandene Wunsch zwar zu erheblichen Komplikationen bei der Etablierung widerspruchsfreier Systeme, aber das ist sicherlich allein deren Problem. Was jedoch nicht zulässig erscheint, ist der Umstand, daß die Physik für sich in Anspruch nimmt, die alleinige Hüterin des Grals der Wahrheit zu sein, indem von ihr aus festgestellt wird, daß die Dinge so seien, wie sie von ihr verkündet werden. Der Rest der Menschheit wird dabei mehr oder weniger gezwungen, das zu glauben, was die Herren Physiker für richtig empfinden und zwar unabhängig davon, ob andere Zweige der Naturwissenschaft damit zurechtkommen oder nicht.
Gerade dieses, von der Physik her vorgenommene Leugnen der Existenz eines Äthers erscheint aus der Sicht der Elektrotechnik nicht zumutbar, ist doch, wie bereits erwähnt, das Vorhandensein eines wie immer gearteten Äthers für die Funktionsweise der in der Elektrotechnik verwendeten Bauteile wie Kondensatoren oder Spulen absolut erforderlich. Im Jahre 1905, als die Elektrotechnik noch in ihren Kinderschuhen steckte und mehr oder weniger einen interessanten Wurmfortsatz der Physik bildete, konnte sich dieselbe gegenüber der von der Physik ausgehenden geistigen Bevormundung nicht schützen, so daß die Dinge eben so liefen, wie sie gelaufen sind. Mittlerweile hat sich die Situation jedoch verändert, indem die Elektrotechnik aufgrund der rasanten Entwicklung der letzten Jahrzehnte ein eigenständiger, voll autonomer Wissenschaftszweig geworden ist, so daß die heutzutage beinahe zum kleineren Wissenschaftszweig degradierte Physik gar nicht mehr in der Position sein dürfte, ihr bisheriges Verhalten aufrechtzuerhalten.
Dabei sollte noch folgendes zur Feststellung gelangen: Hätte die Physik seinerzeit kurz bei der Elektrotechnik angefragt, ob letztere damit einverstanden sei, daß aus gewissen kosmischen Komplikationen heraus der Äther zur "Persona non grata" erklärt werde, dann hätte die Elektrotechnik mit ziemlicher Sicherheit unter Hinweis auf die von ihr verwendeten Kondensatoren und Spulen dagegen Einspruch erhoben, worauf der Experte III. Klasse am Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum sich in seinen Schmollwinkel zurückgezogen hätte und der Menschheit sehr viele Komplikationen erspart geblieben wären. Da die Elektrotechnik jedoch seinerzeit ein unbedeutendes Anhängsel der Physik war und in dieser Sache auch nicht gefragt wurde, und ich, Georges Bourbaki, auch nichts dagegen einwenden konnte, weil ich damals noch gar nicht existierte, möchte ich nunmehr diesen Einspruch im Namen des Wissenschaftszweiges der Elektrotechnik nachträglich erheben, wohl wissend, daß bei Fragen zum Thema "Wahrheit" der juristische Einwand einer Verjährung nicht vorgebracht werden kann.
Um jedoch dem Argument vorzubeugen, daß es sich bei der seinerzeit von Einstein vorgenommenen Abschaffung eines Äthers um eine kleine unbedeutende läßliche Sünde gehandelt habe, sei auf den Umstand verwiesen, daß bei Vorhandensein eines derartigen Äthers derselbe als eine Art "Substratum" angesehen werden kann, auf welchem die in unserem Universum auftretenden materiellen Phänomene wie auf einer Art Nährboden zum Gedeihen gelangen. Dabei dürfte es zumindest Elektroingenieuren durchaus einleuchtend erscheinen, daß, wenn schon Materie mit Blick auf das periodische System der Elemente als eine Art "göttliche Digitaltechnik" zu werten ist, es zwangsläufig auch eine im Ätherbereich anzusiedelnde "göttliche Analogtechnik" geben muß, denn zumindest in der Elektrotechnik kann eine zufriedenstellend arbeitende Digitaltechnik ohne einen Unterbau auf Analogbasis nicht funktionieren.
Wenn nun die Physik aufgrund einer selbst verschuldeten Kurzsichtigkeit oder Blindheit diesen Unterbau als nicht existent erklärt, bewegt sie sich, wörtlich genommen, in einen "leeren Raum" hinein, in welchem ein Verständnis der Dinge zwangsläufig recht schwierig, wenn nicht sogar unmöglich wird. Kein Wunder also, daß gerade im Bereich der Physik die menschliche Erkenntnisfindung vielfach den Eindruck einer im Urwald verlorengegangenen Expedition erweckt. Dabei kann kein Zweifel darüber bestehen, daß ganz generell in der Wissenschaft ein gewisses Unbehagen herrscht, welches gelegentlich auch nach außen dringt. So schriebt beispielsweise George Field in der Einleitung seines 1973 erschienenen Buches "The Redshift Controversy":
"In the past few years astronomers have become increasingly convinced that there is something basically wrong with the conventional picture of the Universe."
Dieses Unbehagen kommt dabei dadurch zustande, daß Dinge vielfach anders laufen, als sie eigentlich laufen sollten, indem Spiralarmgalaxien zeitlich stabil sind, obwohl sie es eigentlich nicht sein dürften, indem sich zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, daß die Materialverteilung im Kosmos anisotrop ist, obwohl sie eigentlich isotrop sein müßte, indem das terrestrische Magnetfeld gelegentlich umklappt, obwohl es dies eigentlich nicht tun dürften, indem die Erdschollen auf der Erde ihre Position verändern, obwohl die vorhandenen Reibungsverluste dies eigentlich verhindern sollten, indem in der großen Magellanschen Wolke in Verbindung mit einer Spupernovaexplosion superluminale Wellen auftreten, obwohl dies gar nicht passieren dürfte, oder daß ein Raumteleskop nicht zu fokusieren ist, obwohl man dies eigentlich von ihm erwarten würde.
Zum Autor selbst vielleicht noch folgendes: Bei Menschen, welche sich mit Kondensatoren und induktiven Spulen auskennen, handelt es sich in der Regel um Elektroingenieure, was auch in meinem Fall zutrifft. Für das Schreiben eines Buches wie diesem halte ich es für eine sehr günstige Voraussetzung, denn dies entbindet mich der Notwendigkeit, auf die Kaste der Physiker mit ihren ziemlich abstrusen, einzementierten Ideen besondere Rücksicht nehmen zu müssen.
Im Gegensatz zu theoretischen Physikern, welche vielfach mit zwei linken Händen auf die Welt gekommen zu sein scheinen, zeichnen sich Elektroingenieure oft auch durch eine ausgesprochen praktische Veranlagung aus, welche sie beispielsweise in die Lage versetzt, mit Hilfe eines schwierig zu handhabenden Lötkolbens schöne Lötstellen zu erstellen, oder die Zylinderkopfdichtung des Motors eines Kraftwagens austauschen zu können, was in den meisten Fällen über die Fähigkeiten eines theoretischen Physikers hinausgeht. Diese praktische Veranlagung von Ingenieuren dürfte jedoch als ein notwendiges Korrektiv anzusehen sein, welches uns beispielsweise daran hindert, bei einem einsam in der Landschaft stehenden krummen Baum die vorhandene Krummheit nicht dem Baum, sondern der Landschaft zuschreiben zu wollen, was, wenn mich nicht alles täuscht, im physikalischen Lager bisher anders gehandhabt wurde. Elektroingenieure sind schließlich noch sehr sorgfältig arbeitende Menschen, sind sie doch für das Innenleben von Geräten verantwortlich, welche zuvor beispielsweise aufgrund des Durchschmorens eines kleinen Widerstandes in den Zustand der Unbrauchbarkeit gelangt waren. Da ein Kosmos im Grunde auch nichts anderes als ein etwas groß dimensioniertes Gerät zu sein scheint, könnte somit ein Elektroingenieur durchaus der richtige Mensch sein, um dort Ordnung zu schaffen, wo Physiker bisher versagt haben.
Um mein Verhältnis zur Physik noch etwas besser zu erklären: Nachdem im Rahmen meiner eingangs erwähnten Neugier die besagten Elefanten so ganz unvermutet aus dem Haselnußbusch herausgetreten waren, hielt ich es anfangs für eine den Gegebenheiten entsprechende Maßnahme, unter Verwendung damals noch sehr vorsichtig und schüchtern formulierter schriftlicher Aufzeichnungen auf den Umstand hinzuweisen, daß gewissen Einzelheiten der Einsteinschen Relativität mit der tatsächlichen Realität nicht so ganz vereinbar seien, wobei ich geringfügige Vorschläge unterbreitete, wie denn eine bessere Anpassung der Theorie an die uns umgebende Umwelt erreicht werden könnte. Ich tat dies natürlich mit der nötigen Vorsicht und dem gebührenden Respekt, wie dies bei interdisziplinär übergreifenden Vorgängen an sich geboten erschien: Eine ganz bescheidene Zuschrift für die Rubrik "Letters to the Editor" einer in England erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschrift, ein kleines Exposé an eine Volkssternwarte, ein noch sehr gemäßigtes Buchmanuskript zu treuen Händen eines Professors der Physik und dgl. mehr wären hier zu nennen. Im Rahmen dieser Aktivitäten schwappte mir jedoch eine derartige Welle von menschlicher Überheblichkeit und Besserwissertum entgegen, daß ich an solchen Unternehmungen sehr bald jegliche Lust verlor. Nun denn, sagte ich mir, Georges Bourbaki kann auch andere Seiten aufziehen! 80 Jahre lang habt Ihr verdammten Physiker die Realität hin- und hergebogen, wo wie es Euch gerade gefällt, und wenn dann einer kommt, der sich ganz freundlich mit Euch unterhalten will, nur um auf die offensichtliche Tatsache hinzuweisen, daß die von der Physik verkündete Lehrmeinung nicht so ganz zu stimmen scheint, dann wird eine derartige Arroganz an den Tag gelegt, daß es nur so kracht! Universitätsnähe scheint dabei ein wichtiges Kriterium für die Festlegung des vorhandenen Arroganzniveaus zu sein. Aus diesem Grunde wird in dem nunmehr vorgelegten Buch ganz bewußt eine ziemlich offene Sprache gesprochen, denn wegen der Borniertheit der Herren Physiker ist dieser Sache auf andere Weise nicht beizukommen. Es sollte jedoch betont werden, daß dies nicht unbedingt den persönlichen Wunschvorstellungen des Autors entspricht.
Es mag durchaus vorstellbar sein, daß die Physik mit ihrer eigenen Vergangenheitsbewältigung gewisse Schwierigkeiten haben wird, ist doch die Erkenntnis, 80 Jahr lang im Trüben herumgefischt zu haben und das noch dazu in unserem modernen 20. Jahrhundert, nicht so ganz auf die Schnelle zu verarbeiten. Wie dies im einzelnen vor sich gehen wird, kann zur Zeit noch nicht beurteilt werden. Falls die Dinge jedoch hart auf hart kommen sollten, was der Autor nicht hoffen möchte, dann könnte allerdings die Möglichkeit ins Auge gefaßt werden, daß hinter die Vergangenheit ein Schlußstrich gezogen wird, indem die Physik des 20. Jahrhunderts einfach eliminiert und eine Äther-Physik für das 21. Jahrundert kreiert werden wird, welche unter Umständen auch mit "Cosmological Engineering" oder so ähnlich bezeichnet werden könnte. Persönlich bin ich nämlich der Auffassung, daß unser Kosmos weitgehend eine ingenierumäßige Leistung darstellt, so daß es aus diesem Grunde am besten erscheint, wenn zum Verständnis unseres Kosmos ingenieurmäßige Denkweisen eingesetzt werden. Inwieweit dann allerdings noch Raum für eine "Theoretische Physik" verbleiben wird, muß erst die Zukunft zeigen.
München, August 1990
Der Rest meines Sündenfalls kann ich Ihnen jetzt leider nicht ins Internetz einspeisen. Das wäre mit zu viel Streß verbunden und würde ja auch zu viel vom kostbaren Speicherplatz benötigen. Das Buch, hier ist es:

mit Abmessungen von 25 x 21 cm, insgesamt 21 Kapiteln, 2-spaltig gesetzt, 206 Seiten, können Sie jedoch beim Äther-Verlag München, gegen DM 68,50 käuflich erwerben. Ein entsprechendes Bestellformular gebe ich Ihnen in dem folgenden noch durch, so daß Sie es ausdrucken können. Bitte beachten Sie dabei noch folgendes: Von diesem Buch liegen bei mir noch etwa 2000 Exemplare herum, und die muß ich jetzt unbedingt verkaufen, um meine Privatkasse ein wenig wieder aufzufüllen. Auf der anderen Seite ist aber auch der von Ihrer Seite auszugebende Geldbetrag sehr gut angelegtes Geld, weil von dieser Erstausgabe des "Sündenfalls" ursprünglich nur 3000 Expemlare hergestellt wurden und die einzelnen Exemplare alle durchnumeriert sind. Wenn also die Physik des 20. Jahrhunderts jetzt den Bach hinuntergehen wird - und alle Zeichen sprechen derzeit dafür -, dann wird dieses Buch zu einem sehr geschätzten Sammlerobjekt werden, so daß die jetzt angelegten DM 68,50 im Laufe der Zeit ihren Wert vervielfachen. Auch dürfte Ihnen das Buch bei der Lektüre sehr viel Spaß bereiten.
Um jedoch die bereits eingangs erzählte Geschichte weiterzuführen, die ungeklärte Situation mit seinen literatischen Qualitäten hat den Bourbaki nicht ruhen lassen. Sie kennen sicherlich den Witz - da geht ein ziemlich hagerer Mann mit kleinem Bauchansatz in ein Bordell - der Typ von Mensch, der mit Krawatte und Hut in einem Opel herumfährt. Von der Puffmutter wird dieser Herr freundlich nach seinen Wünschen befragt. Derselbe erwidert daraufhin, daß seine Frau ihm immer wieder versichern würde, was für ein toller Liebhaber er sei, und daß er eigentlich nur hierhergekommen wäre, um sich diesbezüglich eine Expertenmeinung einzuholen.
Nun, auf der Suche nach einer Expertenmeinung über seine schriftstellerischen Qualitäten verpackte der Bourbaki seinen Sündenfall zusammen mit einem entsprechenden Anschreiben in einen Umschlag und sandte denselben an den Herrn Reich-Ranicki, welcher als der literarische Papst in deutschen Landen angesehen wird. (Päpste kommen heutzutage anscheinend alle aus Polen!) Nun, diesen Herrn Reich-Ranicki kennen wir doch alle von der Glotze her, wo er in einer Gruppierung auftaucht, die als "literatisches Quartet" bezeichnet wird. Da werden immer die besten Schulaufsätze Deutschlands prämiert. Dies nennt man zwar Literatur, aber die Übergänge zwischen Schulaufsätzen und Literatur dürften ziemlich fließend sein. Die Sache mit dem Reich-Ranicki ist dabei immer sehr vergnüglich, weil derselbe sein Gesicht derart wundervoll wie eine vertrocknete Hibiskusblüte zusammenkrümeln kann, wenn ihm irgendetwas nicht gefällt. Da er dies so meisterlich tut, - man möchte ihn dafür richtig abknuddeln - sollte man diesem literarischen Quartet eigentlich nur die schlechteste Schundliteratur vorsetzen, damit diese ganze Gesichtsakrobatik des Herrn Reich-Ranicki möglichst häufig ausgekostet werden kann.
Während ein Physiknobelpreisträger wie Erwin Schrödinger noch zu der Auffassung gelangt war, daß eine physikalische Gleichung "schön" sei, wenn sie möglichst kurz und aus möglichst vielen griechischen Buchstaben zusammengesetzt sei, wird in der Literatur etwas als schön empfunden, wenn jemand die Worte der deutschen Sprache in einer Art und Weise aneinandersetzen kann, die von unserem literarischen Quartet, insbesondere unserem Herrn Reich-Ranicki als "schön" empfunden wird. Letzterer schwärmt dabei insbesondere von einer Person namens Thomas Mann, welcher anscheinend seine Worte äußerst sorgfältig mit einer Pinzette aus dem Duden herausgepickt hatte und vorsichtig in einer ganz besonders schönen Art und Weise nebeneinander auf sein Papier setzen konnte, so wie dies Herr Lodenfrey mit seinen vielgeliebten Käfern auch gemacht hatte. Auf diese Weise konnte Thomas Mann ganz besonders schöne Sätze bilden, welche ein wenig an das Gebiß einer angehenden Filmschönheit nach einer erfolgreichen Zahnspangenbehandlung erinnern. So wie man hört, muß dieser Thomas Mann jedoch ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse oder Spießbürger gewesen sein. Nur dieses Herauspicken von Worten aus dem Duden, das hat er anscheinend meisterhaft gekonnt!
Nun, um wieder zu meinem ursprünglichen
Thema zurückzukommen, diesem Herren Reich-Ranicki schickte ich
also meinen "Sündenfall", um mir aus offizieller
Expertenhand ein Gutachten über meine schriftstellerischen
Qualitäten einholen zu können. Mit Datum vom 1. April 1993
erhielt ich daraufhin ein Antwortschreiben von Herrn Marcel
Reich-Ranicki auf sehr schönen FAZ-Papier, auf welchem sich die
Mitteilung befand, daß der Briefschreiber vom Gegenstand des
Buches nichts verstünde. Dazu eine Unterschrift, welche fast
eine halbe DIN-A-4-Seite füllte.
Der Bourbaki ist dabei fast vom
Stuhl gefallen, weil er zuerst glaubte, der leibhaftige Göring wäre wieder
auferstanden und hätte ihm geschrieben. Entsprechend Walter Moers "Adolf - Äch bin wieder da!!", Eichbornverlag 1998 scheint dies in der Tat der Fall zu sein. Jedenfall berichtet ein auf der Reeperbahn arbeitende Hermine einem ziemlich überraschten Adolf, daß die CIA ihn seinerzeit wiederbelebt und außer Landes gebracht hätten, worauf an ihm eine Geschlechtsumwandlung vorgenommen wurde, und jetzt sei er eben hier und müsse für seinen Broterwerb sorgen.
Nachdem der Bourbaki sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte, stellte es sich heraus, daß der Briefeschreiber doch der Herr Reich-Ranicki war, der sich dafür aber plötzlich bei Michael Ende in "Der satanarchäolügenhöllische Wunschpunsch", Stuttgart 1989, in den Darstellungen einer gewissen Regina Kehn als sogenanntes "Büchernörgele" wiederfindet, links zuerst im Einmachglas, rechts als französischer Freiheitskämpfer, nachdem er sich daraus befreit hatte:


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Ob dieser Absage war der Bourbaki dann schon etwas enttäuscht, allein das Titelblatt von meinem Sündenfall mit dem Rubensschem Höllensturz, das zeigt doch bereits ein künsterlisches Verständnis. Dazu diese ganz meisterhaften Parallelen zu Wilhelm Shakespeare, wo doch derselbe mit Sicherheit ganz große literarische Klasse war. Daß Herr Reich-Ranicki nichts von Physik versteht, ist ja irgendwie noch verständlich. Im übrigen auch noch lobenswert, weil dies garantiert, daß ein derartiger Mensch mit Sicherheit keine Atombomben bauen wird. Aber trotzdem - über die literarischen Qualitäten des Herrn Bourbaki hätte der Reich-Ranicki zumindest ein paar Worte finden können!
PS: Ceterum censeo speculum esse delendum.