Auflage streng limitiert! - siehe Gate A4


 

A1

Allgemeinorientierung

 

Über Wirklichkeit und Wahrheit in der Physik

 

Über das Zustandekommen dieses Artikels gibt es folgende Vorgeschichte: Im Jahre 1995 erschien in Deutschland eine neue philosophische Zeitschrift mit dem vielversprechenden Namen "Der blaue Reiter". Herausgeber war u.a. ein Dr. Otto-Peter Obermeier, Professor für politische Wissenschaften an der Universität München, welcher über eine Thematik bei Karl Popper promoviert hatte. Derselbe schrieb für das Heft 1 dieser Zeitschrift einen sehr lesenswerten Artikel mit der Überschrift "Freelancer und der Reigen der verbeamteten Geister", in welchem er ziemlich barsch über den Philosophiebetrieb an unseren deutschen Hochschulen herzieht. So heißt es darin, daß die Schulphilosophie letztlich die gebetsmühlenartige Wiederaufbereitung der Lehren von alteuropäischen Strahlemännern sei. In einem Teil 2 dieses Artikels wird dann auf die Freelancer Bezug genommen, in welchem Zusammenhang es heißt: "In einer Kneipe mit dem realitätsnahen Namen "R(h)einfall" füllt sich ab 24.00 Uhr der Stammtisch und vor der Kneipe parken die Taxis". Gegen Ende dieses Teiles 2 wird dann auch auf diesen Georges Bourbaki mit seinem "Sündenfall der Physik" bezug genommen, worauf es heißt: "Immer das gleiche Schicksal - vom Establishment ausgegrenzt, totgeschwiegen und falls der Erfolg kommt, herabqualifiziert."

 

In diesem Sinne wurde an dem Bourbaki die Frage oder Bitte herangetragen, ob er nicht für das geplante Heft 2, welches unter dem Motto "Wirklichkeit und Wahrheit" stehen sollte, einen entsprechenden Artikel schreiben wolle. Der Bourbaki tat dieses dann auch zu gerne und es entstand ein ganz passabler Artikel, welcher diese beiden Begriffe mit der Physik verband. Doch dann hieß es plötzlich von der Herausgeberseite, daß in dem Heft 2 kein Platz mehr vorhanden sei, daß das Papier doch so teuer wäre und daß, und daß ... Dies hatte letztlich zur Folge, daß dieser bestellte Bourbakische Artikel aus was für immer gearteten Gründen - anscheinend war das gewählte Thema dann doch zu heiß - in dem Heft 2 nicht erschien.

 

Lieber Internetleser, hier ist dieser Artikel:

 

Über Wirklichkeit und Wahrheit in der Physik

von

Georges Bourbaki

 

I

 

Daß die Inszenierung einer allein für uns Menschen künstlich geschaffenen Wirklichkeit in der Art einer "Göttlichen Virtuality Show" nur mit einem ganz erheblichem Aufwand zur erreichen wäre, darf wohl mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden. Aus diesem Grunde muß der philosophische Skeptizismus mit seiner Verneinung der Existenz einer äußeren Umwelt als realitätsfern verworfen werden, so daß die berühmte Aussage Descartes "Cogito ergo sum" wohl als etwas zu tief gegriffen erscheint.

In Verfolgung derartiger Gedankengänge kommt man schlecht an der Erkenntnis vorbei, daß die um uns Menschen herum in Erscheinung tretende Wirklichkeit tatsächlich vorhanden ist, und daß diese Wirklichkeit dann auch noch die Eigenschaft besitzen muß, daß sie sich nur in einer einzigen Art und Weise nach außen hin manifestiert. Dies schließt natürlich nicht aus, daß diese Wirklichkeit von uns Menschen aufgrund unterschiedlicher Sinnesorgane und Gehirne in sehr unterschiedlicher Weise zur Wahrnehmung gelangt!

Was nun den Begriff der Wahrheit betrifft, so wird dieselbe entsprechend der allgemein akzeptierten aristotelischen Korrespondenztheorie dahingehend definiert, daß ein Aussage dann, und nur dann wahr ist, wenn das, was sie aussagt, mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Da diese Wirklichkeit, wie zuvor erkannt, nur in einer einzigen Weise zur Manifestation gelangt, kann daraus eigentlich nur geschlossen werden, daß es demzufolge letztlich auch nur eine einzige Wahrheit gibt, welche in genauer Korrespondenz mit der uns umgebenden einzigen Wirklichkeit steht. Soweit, so gut!

 

II

 

Was nun die Physik betrifft, so definieren Physiker ihre Wissenschaft als die Untersuchung der Eigenschaften und der Zustandsformen von Materie. Eine derartige Definition ist mit Sicherheit etwas zu eng gefaßt, weil Phänomene, wie elektrische und magnetische Felder sowie Gravitationsfelder eine gewisse Eigenständigkeit besitzen, indem derartige Felder allenfalls im Zusammenhang mit bestimmten Materieformen in Erscheinung treten. Darüber hinaus sind elektromagnetische Wellen beispielsweise in Form von Licht zwar an ihren Endpunkten der Emission und Absorption an das Vorhandensein von Materie gebunden. Entlang der Übertragungsstrecke gelangen dieselben jedoch vollkommen unabhängig von Materie zur Ausbreitung. Aus diesem Grunde muß Physik wohl dahingehend definiert werden, daß dieser Wissenschaftszweig der Untersuchung der Eigenschaften und Zustandsformen der unbelebten Natur dient, wobei der Begriff "unbelebte Natur" den sogenannten leeren Raum einschließlich die darin befindliche Materie umfaßt.

Das Studium der unbelebten Natur durch den Menschen ist bekanntlich mit einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten verbunden, in welchem Zusammenhang zu nennen wären:

- Während die in unserem Kosmos vorhandenen Dinge größenmäßig sich über mehr als 40 Zehnerpotenzen hinweg erstrecken, sind unsere menschlichen Sinnesorgane derart konzipiert, daß sie allenfalls über eine sehr geringe Anzahl von Zehnerpotenzen hinweg einigermaßen korrekte Sinneseindrücke vermitteln, so daß nur unter Einsatz besonderer technischer Geräte, wie dem Mikroskop und dem Fernrohr der für uns Menschen erfaßbare Bereich etwas erweitert werden kann.

- Während sich das elektromagnetische Frequenzspektrum über mehr als 20 Zehnerpotenzen hinweg erstreckt, ist der Ansprechbereich unseres menschlichen Auges auf eine einzige Oktave beschränkt, so daß auch hier sehr aufwendige Gerätschaften erforderlich sind, um innerhalb des elektromagnetischen Frequenzspektrums der Natur einen weiteren Frequenzbereich abdecken zu können.

- Schließlich erweist sich die geringe Beweglichkeit von uns Menschen auch noch als recht störend, weil auf diese Weise die unmittelbare Erforschbarkeit der Natur auf die Erde und allenfalls unser Sonnensystem beschränkt bleibt, während der größte Teil des Makrokosmos sich einer direkten Erforschbarkeit entzieht. Da die Größe unseres Sonnensystems im Vergleich zu der Gesamtgröße des Kosmos als verschwindend klein anzusehen ist, zwingt dieses Ungleichgewicht zu gewissen Annahmen, wie dem kosmologischen Prinzip der Relativitätstheorie, gemäß welchem bestimmte Naturkonstanten, wie der Lichtgeschwindigkeitswert c innerhalb des ganzen Kosmos als konstant angenommen werden, obwohl mittlerweile relativ gesicherte Befunde, wie die Arpschen abnormalen Rotverschiebungswerte vorliegen, welche im Grunde das Gegenteil beweisen.

 

Unter Berücksichtigung der vorhandenen Schwierigkeiten ergeben sich für die Physiker vor allem zwei verschiedene Aufgabenbereiche:

1. Festlegung von sogenannten Naturgesetzen:

Die Natur bzw. ein bestimmter Teilaspekt derselben wird dabei als geschlossener "Vierpol" betrachtet, in welchen man nicht hineinzusehen vermag. Im Rahmen von Experimenten werden nunmehr die sich ergebenden Abhängigkeiten zwischen dem Input und dem Output des vorhandenen Systems überprüft, worauf aufgrund der sich ergebenden Meßdaten und entsprechender Kurvenscharen unter Einsatz mathematischer Verfahren Gleichungen ermittelt werden, welche als "Naturgesetze" bezeichnet werden. Dabei muß man sich jedoch im klaren sein, daß derartige Naturgesetze allein eine Korrelation zwischen dem Input- und dem Outputverhalten des Systems "Natur" herstellen, wobei es offen bleibt, ob diese Naturgesetze immer ganz ohne Ausnahme, häufig mit gelegentlichen Ausnahmen oder nur meistens mit vielfachen Ausrutschern zur Einhaltung gelangen. Unsere Kenntnisse über die Zuverlässigkeit der Einhaltung derartiger Naturgesetze hängen somit allein davon ab, wie sorgfältig bei der Ableitung der betreffenden Naturgesetze vorgegangen worden war. Die Festlegung dieser Naturgesetze ist im übrigen der wesentliche Aufgabenbereich der Experimentalphysik.

2. Aufstellung von Theorien, warum es zu diesen Naturgesetzen kommt

Nachdem die Naturgesetze in der beschriebenen Weise festgelegt worden sind, wird nunmehr nach jenen Elementen gesucht, welche sich im Innern des erwähnten Vierpols der Natur verbergen. Diese Suche, welche eine Aufgabe der Theoretischen Physik darstellt, erweist sich dabei insoweit als recht mühsam, weil a priori keine Kenntnisse vorliegen, um was für Elemente es sich dabei handelt, und welche Eigenschaften diese Elemente besitzen. Im Vergleich zu einem Elektroingenieur, welchem die Eigenschaften von elektrischen Bauteilen, wie Spulen, Widerstände und Kondensatoren bekannt sind, und welcher einen ihm unbekannten Vierpol zur Not auch noch aufsägen kann, darf dieser Weg der Theorienbildung somit nur mit äußerster Vorsicht beschritten werden.

Diese ganz im Faustschen Sinn durchzuführende Suche "um zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält" muß dabei im Vergleich zu der mehr anwendungsorientierten Experimentalphysik mit der Ableitung von Naturgesetzen als eine sehr viel interessantere und herausforderndere Aufgabe angesehen werden. Sie hat allerdings den großen Nachteil, daß ein Wahrheitsbeweis für die Richtigkeit einer aufgestellten Theorie letztlich nicht zu erbringen ist, weil eine unmittelbare Zugriffsmöglichkeit zu dem Inneren des jeweiligen Vierpols, d.h. dem Innenaufbau der Natur, nicht besteht, so daß hier in diesem Bereich allenfalls eine gewisse Glaubwürdigkeit oder Wahrscheinlichkeit des tatsächlichen Zutreffens eines gewissen Sachverhalts, nie jedoch eine völlige Gewißheit zu erreichen ist.

Da dieser Umstand den Physikern hinreichend bekannt ist, wurde dann auch der von der Theoretischen Physik zu erbringende Wahrheitsbeweis einer aristotelischen Übereinstimmung zwischen Aussage und Wirklichkeit insoweit abgeändert, indem eine bestehende Theorie in pragmatischer Weise zur Wahrheit erklärt wird, solange sie sich als nützlich erweist, oder im Sinn einer Konsenstheorie, sobald ein gewisser Konsens zwischen entsprechend qualifizierten Personen erreicht wird. Beide Wahrheitsdefinitionen müssen jedoch als sehr problematisch angesehen werden. So leitet sich die Nützlichkeit, ein bestimmtes Phänomen der Natur für praktische Dinge des Lebens einsetzen zu können, im wesentlichen von den vorhandenen Naturgesetzen ab, so daß Theorien, welche Aussagen über den Innenaufbau der Natur vermitteln, weitgehend als nutz- und anwendungsfrei anzusehen sind. Aussagen in der Art, daß eine vorhandene Theorie wie die Quantentheorie sich in der Praxis als sehr nützlich erwiesen habe, entsprechen somit weitgehend einem Wunschdenken der an der Entwicklung der betreffenden Theorie beteiligten Personenkreise. Auf der anderen Seite erscheint auch die Konsenstheorie einer Wahrheitsfindung ziemlich angreifbar, weil der auftretende Konsens allenfalls zwischen Mitgliedern derselben Personengruppe entsteht, so daß in diesem Fall die Gruppe von Tätern - im Sinn der Erzeuger von Theorien - und Richtern - im Sinn der Beurteiler von derartigen Theorien - weitgehend identisch ist. (Daß dieser Konsens über bestehende Theoriengebäude sofort zusammenbricht, sobald andere Personengruppen hinzugezogen werden, ergibt sich beispielsweise anhand eines um 1930 herum erschienenen Buches mit dem Titel "Hundert Autoren gegen Einstein", in welchem 28 Beiträge von vielfach doppeltpromovierten Mathematikern, Philosphophen, Naturforschern, Juristen, Medizinern, Geologen usw. aufgeführt werden, die sich bereits damals äußerst vehement gegen die Allgemeingültigkeit der Einsteinschen Relativitätstheorie ausgesprochen hatten!)

 

Was nun den umgekehrten Weg eines Falschheitsbeweises einer bestehenden Theorie betrifft, so liegen hier die Dinge sehr viel günstiger. Eine aufgestellte Theorie kann nämlich bereits dann als unwahr verworfen werden, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

1. Vorhandensein widersprüchlicher Annahmen.

2. Willkürliche Festlegung von Annahmen im Rahmen einer vorgenommenen Rückwärtsrechnung.

3. Auftreten von Rechenfehlern und/oder logischen Fehlern bei der Durchführung der mathematischen Berechnungen.

4. Auftreten von neuen Befunden und Daten, welche mit der jeweiligen Theorie und den dabei gemachten Annahmen kollidieren und/oder

5. Vorschlag von Maßnahmen, welche sich selbst aus einer göttlichen Sicht heraus nicht als durchführbar erweisen.

 

In Bezug auf letzteren Punkt sei auf folgendes hingewiesen: Da ein im Laufe der Zeit sich veränderndes System nur eine endliche Anzahl von Zustandsmöglichkeiten zu durchlaufen vermag, muß der uns bekannte Teil des Kosmos einer Vergänglichkeit unterworfen sein. Dies wiederum zwingt zu der Annahme, daß zumindest dieser Teil des Kosmos zu irgendeinem Zeitpunkt einem Schaffungsprozeß ausgesetzt war. Im Sinn von "Cosmic engineering" mußte dieser Kosmos somit auch zu irgendeinem Zeitpunkt zu realisieren sein. Bei der Aufstellung von neuen Theoriengebäuden sollte somit nicht nur das Kriterium einer inneren Schlüssigkeit, sondern ganz besonders auch das Kriterium einer kosmischen Machbarkeit beachtet werden. Dies müßte es im Grunde erlauben, daß gewisse Theorien, wie die Erklärung der Gravitation auf der Basis einer Krümmung des leeren Raumes, wegen unüberwindbar erscheinender Schwierigkeiten einer kosmischen Machbarkeit gleich von Anfang an als unrealistisch verworfen werden können.

 

III

 

Um die vorhandene Thematik mit der Erstellung von Theoriengebäuden etwas einzukreisen, soll hier kurz die Parabel eines toten Marineflugzeugpiloten erzählt werden, welche sich durchaus zugetragen haben mag:

 

"In den Weiten des Pazifiks war ein hochmodernes Düsenjagdflugzeug zu Bruch gegangen und abgestürzt. Der Pilot konnte zwar noch mit dem Schleudersitz aussteigen, war dann aber in der Folge ertrunken, worauf sein Körper mit einer solarangetriebenen goldenen Fliegerarmbanduhr am Handgelenk an einer kleinen Insel zur Anschwemmung gelangte. Nachdem die dort lebenden unzivilisierten Wilden den am Strand liegenden Marinepiloten entdeckt und wegen der einsetzenden Geruchsbildung umgehend im Sand verbuddelt hatten, verblieb denselben nur diese glizernde Fliegerarmbanduhr, welche aufgrund ihrer schweizerischen Qualität alle Unbilden des Schicksals unbeschadet überstanden hatte. Die Eingeborenen beäugten die vordere Fläche dieses Dings und waren überrascht, als sie feststellten, daß da drei "Seeigelstachel" vorhanden waren, welche sich bewegten - der eine Stachel ziemlich rasch, der zweite schon recht langsam und der dritte praktisch gar nicht mehr wahrnehmbar. Und während sie das Ding noch in ihren Händen hielten, machte es plötzlich "piep, piep" und dann war es wieder still. Nachdem alle Eingeborenen dieses recht merkwürdige Objekt der Reihe nach befühlt und bewundert hatten, wurde zur nächtlichen Stunde eine Stammesversammlung abgehalten, bei welcher der sehr weise Medizinmann verkündete, daß das Ding göttlichen Ursprungs sein müsse, denn nur "Er" könne drei Seeigelstachel bewegen und gleichzeitig dabei auch noch Piepsen. Und so wurde dieser Gegenstand umgehend an einem vorspringenden Ast des Baumes der Weisheit aufgehängt und keiner der Insulaner dufte ihn berühren.

 

"In der Folge ergab es sich, daß ein schwerer Taifun über die betreffende Pazifikinsel hinwegbrauste, was den Behausungen der Insulaner gar nicht gut bekommen war. Ob dieses Ungemachs über ihre Gottheiten erzürnt wurde erneut eine Stammesversammlung abgehalten, bei welcher unter anderem auch das merkwürdige Ding am Baume der Weisheit zur Sprache kam und für welches nunmehr umgehend eine rationale Erklärung gefunden werden mußte. Nach langen Beratungen hin und her und her und hin stand für die Insulaner schließlich fest, daß das piepsende Geräusch von keinem Vogel verursacht sein kann, denn dazu waren die Vögel viel zu groß und das glizernde Ding zu klein. Also einigte man sich darauf, daß im Inneren dieses Dings kleine Insekten - wie Ameisen oder Grillen - stecken müssen, welche unter Einsatz von Laufrädern die Bewegung der drei Seeigelstachel bewirken, und dabei gleichzeitig auch noch das piepsende Geräusch verursachen. Nachdem die Insulaner keine anderen Theorien anzubieten hatten, wurde über die Gültigkeit des gemachten Vorschlags abgestimmt. Die Mehrzahl der Insulaner stimmte zu, nur einige wenige Abweichler waren dagegen. Letztere erschlug man flugs mit hölzernen Keulen, so daß auf diese Weise die Einstimmigkeit der Meinungsbildung gewährleistet war.

 

"Der Medizinmann, welcher aufgrund seiner Weisheit und seines Alters einige Grundkenntnisse von Mathematik erworben hatte, konnte in der Folge berechnen, daß unter Berücksichtigung der Größe des glitzernden Dings die darin befindlichen Insekten allenfalls 7356 Jahre leben könnten, denn so lange würde der darin befindliche Nahrungsmittelvorrat reichen. Und so sitzen diese unzivilisierten Wilden auch heute noch zur nächtlichen Stunde um ihren Baum der Weisheit, lauschen dem gelegentlichen piepsen des goldenen Dings und warten auf das 7.357ste Jahr nach der Strandung des toten Marinepiloten, denn nur dann wird es sich erweisen, ob die Theorie mit den kleinen Tieren im Inneren des glitzernden Dings ihre Gültigkeit besitzt oder nicht."

 

Abgesehen davon, daß diese Parabel sehr gut erkennen läßt, daß ein naheliegend erscheinender Erklärungsversuch nicht zwangsläufig der richtige sein muß, und daß inaktives Abwarten nicht den besten Weg bei der Wahrheitsfindung darstellt, so ergibt sich vor allem auch noch die Erkenntnis, daß über die Gültigkeit oder Ungültigkeit einer aufgestellten Theorie sich nur dadurch Klarheit erlangen läßt, indem ganz im Popperschen Sinn die aufgestellte Theorie einer Falsifizierung ausgesetzt wird. Dabei muß untersucht werden, unter welchen Bedingungen Abweichungen von dem erwarteten Verhalten auftreten. Da die Bewegung der Zeiger und das gelegentliche akustische Signal zum Normalverhalten der betreffenden Armbanduhr gehören, muß in dem vorliegenden Fall überprüft werden, wann dieses Verhalten gestört wird, d.h. die betreffende Uhr stehenbleibt.

 

Dabei ergeben sich die folgenden Möglichkeiten:

- Besprüht man die Uhr mit DDT und die Uhr bleibt stehen, dann könnte daraus geschlossen werden, daß die aufgestellte Theorie mit den Grillen und Laufrädern unter Umständen richtig ist.

- Bringt man die Uhr hingegen in einen abgedunkelten Raum und sie bleibt stehen, dann muß bei richtiger Interpretation dieses Sachverhalts geschlossen werden, daß die Theorie mit den Grillen falsch sein und daß es sich hierbei um eine Uhr mit einem Solarantrieb handeln muß.

- Läßt man die betreffende Uhr jedoch mehrere Tage lang unbeweglich an dem Ast des Baumes der Weisheit hängen und bleibt sie dann stehen, dann sollte daraus geschlossen werden, daß die Theorie mit den Grillen falsch ist und daß es sich um eine Armbanduhr mit einem mechanischen Automatikaufzug handeln muß.

- Falls man aber aufhört, an einer vorstehenden Krone der Uhr herumzudrehen, und die Uhr bleibt dann stehen, dann dürfte daraus eigentlich nur geschlossen werden, daß die Theorie mit den Grillen falsch ist und daß im Innern der Uhr ein mechanisches Uhrwerk mit Federaufzug vorhanden sein muß.

 

Bei derartigen Falsifizierungsversuchen muß jedoch sehr stark darauf geachtet werden, daß keine falschen Schlußfolgerungen gezogen werden. Läuft nämlich die betreffende Uhr im Anschluß an einen Sprühvorgang mit DTT weiter, könnte dies durchaus auch bedeuten, daß die Uhr entweder wasserdicht ist oder daß die darin befindlichen Grillen eine DTT-Resistenz besitzen.

 

Absolut verboten muß jedoch auf alle Fälle sein, daß zusätzliche neue Annahmen gemacht werden, damit unerwartete Resultate von Falsifizierungsversuchen in ein bestehendes Theoriengebäude eingefügt werden können. Derartige zusätzlichen Annahmen könnten dabei die folgenden sein:

- Die Annahme, daß die Grillen in der Uhr eingeschlafen sind, nachdem man die Uhr in einen abgedunkelten Raum gebracht hatte, oder

- die Annahme, daß man die Grillen in der Uhr gelegentlich rütteln müsse, damit sie nicht aus reiner Faulheit in ihren Laufrädern stehenbleiben, oder

- daß man von Zeit zu Zeit an der herausstehenden Krone der Armbanduhr herumdrehen müsse, um die innerhalb der Armbanduhr befindlichen Grillen jeweils am Rücken zu kraulen, damit sie zufrieden sind und weiter ihren Dienst ausüben.

 

Anhand derartiger Beispiele ist sehr gut erkennbar, daß ein an den Haaren herangezogener Grund immer gefunden werden kann, um ein vorhandenes Theoriengebäude auch bei entgegenstehenden Befunden weiter am Leben erhalten zu können.

 

Die Parabel mit der goldenen Fliegerarmbanduhr und dem toten Marinepiloten erlaubt schließlich noch eine grobe Abschätzung der Gültigkeit einer aufgestellten Theorie. Angenommen, es ständen jeweils fünf verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um in der Natur Dinge zum Funktionieren zu bringen - im Fall einer Armbanduhr dürfte diese Anzahl mit Sicherheit gegeben sein -, dann ergäbe sich eine Wahrscheinlichkeit von allenfalls 20 %, daß eine aufgestellte Theorie der Wahrheit entspricht. Berücksichtigt man dabei noch den Umstand, daß der erstbeste Vorschlag in den meisten Fällen nicht der Wahrheit entspricht, und berücksichtigt man schließlich noch, daß die Herren Physiker bei der Aufstellung ihrer Theorien vielfach auch noch gemogelt hatten, dann dürfte sich dieser Wahrscheinlichkeitswert bis auf null reduzieren. Eine Aussage in der Art, daß Theorien von heute die Unwahrheiten von morgen seien, erscheint somit durchaus Berechtigung zu haben.

 

IV

 

Wenn man nunmehr im Rahmen der gemachten Ausführungen anerkennen sollte, daß bei einem bestehenden Theoriengebäude eine im Popperschen Sinn vorgenommene Falsifizierung bzw. Unwahrheitserklärung sehr viel leichter durchführbar erscheint, und wenn man darüber hinaus auch noch weiß, daß die letzte Auseinandersetzung über die Grundlagen der Physik im Rahmen der Jahresversammlung Deutscher Ärzte und Naturforscher am 23. September 1920 in Bad Nauheim stattfand, daß dieselbe gerade eine Viertelstunde zwischen 12.45 Uhr und 1.00 dauerte, und daß das spätere offizielle Protokoll über diese Auseinandersetzung schließlich auch noch gefälscht wurde, dann dürfte es angebracht erscheinen, wenn nunmehr anhand einzelner Beispiele eine Überprüfung der bestehenden Theorien im Hinblick auf ihre Übereinstimmung mit der Wirklichkeit erfolgt. Eine derartige Aufstellung soll dabei nur zur erkennen geben, wie wackelig dieses Gebäude der etablierten Physik mittlerweile geworden ist, und in welchem Maße umgehend Schritte erforderlich erscheinen, um einen Neuanfang zur Wahrheitsfindung einleiten zu können.

 

Beispiel 1

 

In seinem Hauptwerk "Philosphiae Naturalis Prinzipia Mathematica" hatte Isaac Newton u.a. auch versucht, das zweite Keplersche Gesetz, d.h. den Flächensatz im Rahmen von geometrischer Überlegungen, d.h. von der Theorie her ableiten zu wollen. Dabei war ihm allerdings ein Fehler unterlaufen, weil ein physikalisches Phänomen wie der Flächensatz mit geometrischen Überlegungen nicht abgeleitet werden kann. Wenn man dann allerdings die vorhandene Thematik etwas eingehender untersucht, dann stellt man fest, daß dieser Flächensatz sehr leicht auf energetischem Wege am Beispiel des berühmten Pirouetteneffektes eines Eiskunstläufers ableitbar erscheint, indem zu der bereits vorhandenen kinetischen Rotationsenergie eines Eiskunstläufers die gegen die vorhandenen Fliehkräfte gerichtete Zentrifugalarbeit beim Heranziehen der Arme noch hinzuaddiert wird, was im Rahmen einer Integration zu dem bekannten Drehimpulserhaltungssatz führt. Nun, dieses kleine Mißgeschick von Isaac Newton wäre eigentlich nicht weiter tragisch gewesen, wenn nicht gelegentlich Situationen auftreten würden, bei welchen ein derartiger Drehimpuls nicht erhalten bleibt, so z.B. beim Loslassen des Hammers eines Hammerwerfers. Dabei verschwinden nämlich spontan die an dem Hammer auftretenden Fliehkräfte, so daß die zu leistende Zentrifugalarbeit nicht mehr zu berücksichtigen ist. Über das losgelassene Seil können nämlich keine Kräfte mehr auf den davonfliegenden Hammer übertragen werden. Alles was beim Loslassen des Hammers erhalten bleibt, ist somit die kinetische Energie des Systems, indem der Hammer mit konstanter Geschwindigkeit davonfliegt, wobei sich allerdings der Krümmungsradius der Bahn und damit der Drehimpuls des Systems verändert, während gleichzeitig sprunghaft ein zuvor nicht vorhandener translatorischer Impuls auftritt.

 

Anhand dieses Beispiels ist sehr wohl erkennbar, daß hier in diesem Fall weder der translatorische Impuls noch der Drehimpuls erhalten bleiben. Auch das wäre eigentlich nicht weiter tragisch gewesen, wenn nicht der Theoretiker Wolfgang Pauli in den Jahren 1930/31 beim Kern-b-Zerfall, bei welchem es wie beim plötzlichen Loslassen eines Hammers zu einem abrupten Absprengvorgang von materiellen Teilchen aus dem Atomkern kommt, gerade unter Hinweis auf die Allgemeingültigkeit der beiden Impulserhaltungssätze die Existenz von Partikeln in Form von Neutrinos postuliert hätte, und wenn nicht mittlerweile überall auf der Erde sündhaft teure Sonnenneutrinoexperimente durchgeführt würden, welche nicht die von der Theoretischen Physik erwarteten Resultate erbrachten. Aus den oben genannten Gründen muß somit die von Pauli aufgestellte Theorie der Ausbildung von Neutrinos zur Erklärung gewisser Abnormalitäten beim Kern-b-Zerfall als eine physikalische Unwahrheit eingestuft werden, während gleichzeitig die auf Newton zurückgehenden Impuls- und Drehimpulsgleichungen als allgemeine Erhaltungssätze der Natur in den Papierkorb der Physikgeschichte gehören.

 

Beispiel 2

 

In der Fachliteratur wird immer wieder die Aussage gemacht, daß die negativen Resultate von Ätherwindmessungen durch Michelson und Morley die theoretischen Physiker zu den im Rahmen der Einsteinschen Speziellen Relativitätstheorie gemachten Annahmen gezwungen hätten. In den Jahren 1926 bis 1930 wurden von Dayton Miller jedoch die bis zu diesem Zeitpunkt sorgfältigsten Ätherwindmessungen auf dem 1750 m hohen Mt. Wilson durchgeführt, bei welchen Ätherwinde von mehr als 15 km/s gemessen wurden, während eine Extrapolation zusätzlich noch ergab, daß das Sonnensystem aus der Richtung der Großen Magellanschen Wolke mit einem Ätherwind von etwa 200 km/s beaufschlagt wird. Dabei muß noch berücksichtigt werden, daß die von Forschern wie Michelson, Morley und Miller verwendeten Meßapparaturen ziemlich unempfindlich waren, weil sie im Vergleich zu dem sehr hohen Lichtgeschwindigkeitswert c nur auf quadratische Glieder des gesuchten Ätherwindes zum Ansprechen gelangten. (Ein bereits auf lineare Glieder ansprechendes Ätherwindmeßgerät wurde mittlerweile beim Deutschen Patentamt als DE PS 42 42 765 erteilt, siehe B2. Unter Berücksichtigung der Millerschen Meßresultate muß demzufolge die Einsteinsche Spezielle Relativitätstheorie im Vergleich zu der Wirklichkeit als unwahr angesehen werden.

 

 

Beispiel 3

 

Im Rahmen der Einsteinschen Speziellen Relativitätstheorie wurde bekanntlich die Lichtgeschwindigkeit c als die oberste, niemals zu überschreitende Ausbreitungsgeschwindigkeit festgelegt. Dies erschien seinerzeit insoweit erforderlich, weil die Lorenztransformation nur unter Einsatz einer oberen Grenzgeschwindigkeit durchführbar ist, während eine entsprechende Festlegung ebenfalls beim Poincaréschen Gleichzeitigkeitsbegriff erforderlich war. (Eine Störung dieses Gleichzeitigkeitsbegriffs hätte sich allerdings bereits beim gleichzeitigen Auftreten zweier unterschiedlicher subluminaler Ausbreitungsgeschwindigkeiten oder bei gleichzeitiger Berücksichtigung von drei oder mehreren Signalen ergeben, welche aus unterschiedlichen Richtungen einem gemeinsamen Raumpunkt zugeführt werden!) Im Rahmen von Messungen des Kölner Professors Günter Nimtz konnte kürzlich ein Laser-Signal, auf welchem die 40. Symphonie von Mozart aufmoduliert war, mit dem 4,7fachen Lichtgeschwindigkeitswert über eine Strecke von etwa 12 cm übertragen werden. Ein derartiges Resultat kann dabei nur bedeuten, daß im Vergleich zur Wirklichkeit die Einsteinsche Spezielle Relativitätstheorie als unwahr einzustufen ist. (Das von manchen Forschern vorgebrachte Argument, Mozarts 40. Synphonie wäre kein Signal, muß natürlich als ziemlicher Humbug gewertet werden!) (siehe in diesem Zusammenhang B3)

 

Beispiel 4

 

Um 1900 herum hatte Max Planck bekanntlich versucht, die Wiensche Strahlungskurve schwarzer Körper abzuleiten, in welchem Zusammenhang er die Existenz von elementaren Resonatoren postuliert hatte, was zu der später sehr berühmten Gleichung E = hn führte. In Verbindung mit dieser Gleichung wurden in der Folge gleich viermal Nobelpreise verteilt, so 1919 für Planck, 1921 für Einstein, 1922 für Bohr und 1932 für Heisenberg, wobei alle diese Forscher versuchten, diese Größe h bzw. der Gleichung E = hn einen besonderen Sinn geben zu wollen. Nach eingehendem Studium des vorhandenen Sachverhalts ergibt sich jedoch die Erkenntnis, daß diese Gleichung E = hn prinzipiell gar nicht gültig ist, weil nirgends in der Natur Vorgänge auftreten, bei welchen Energien in Frequenzen und Frequenzen erneut in Energien umgerechnet werden dürfen. (Wie idiotisch ein derartige Umrechnung ist, ergibt sich beispielsweise anhand der trivialen Weggleichung s = v . t, anhand welcher sehr gut erkennbar ist, daß selbst bei Vorhandensein einer derartigen Gleichung Umrechnungen zwischen Länge und Zeit nicht in beliebiger Weise durchgeführt werden dürfen!) Um trotz anerkannter Schwächen diese Gleichung E = hn stützen zu können, wurde früher vielfach auf die Stoksche Beziehung verwiesen, gemäß welcher bei Photo- und Luminiszenzemissionen das emittierte Lichtsignal immer niederfrequenter als das absorbierte Lichtsignal sei, was als Beweis für die Gültigkeit der Gleichung E = hn zur Darstellung gelangte. Nun, dieser Beweis konnte nur so lange aufrecht erhalten werden, bis bei Beleuchtung von gewissen Infrarotmaterialien eine Durchbrechung dieser Stokschen Beziehung gefunden war, indem gelegentlich auch Lichtemissionen mit höheren Frequenzen auftreten. Letztlich muß somit auch die ganze Quantenphysik als physikalische Unwahrheit und Unsinn eingestuft werden. (Da innerhalb der Balmerschen Gleichung jeweils Frequenzdifferenzen auftreten, steht im übrigen zu vermuten, daß eine Lichtemission nicht im Bohrschen Sinne durch Sprünge in den Elektronenbahnen, sondern durch Kollisionen zwischen einzelnen Gasatomen hervorgerufen wird, was zurück zu einer anschaulichen Quantenphysik führen müßte - ohne Lichtquanten allerdings! Auf die Ausführung unter A3 und B4 wird in diesem Zusammenhang verwiesen.)

 

Beispiel 5

 

Im Rahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie hatte Albert Einstein bekanntlich eine Krümmung der Lichtstrahlen am Sonnenrand postuliert, welche im Rahmen einer im Jahre 1919 von Eddington nach Sobral und Prinzipe durchgeführten Expedition bei einer Sonnenfinsternis dann auch tatsächlich beobachtet wurde. Abgesehen davon, daß Einstein seinen Vorschlag mit der Lichtablenkung am Sonnenrand aus einem Artikel des späteren bayerischen Hofastronomen Georg Friedrich Soldner aus dem Jahre 1801 (!!!) abgeschrieben hatte, dabei noch die gleiche mathematische Gleichung und die gleichen Meßwerte wie seinerzeit Soldner verwendet hatte, und darüber hinaus auch noch in seiner Veröffentlichung den gleichen, etwas ungewöhnlichen Ausdruck "an der Sonne nahe vorbeigehen" benutze, wurden im Laufe der Zeit immer genauere Messungen durchgeführt, bis im Jahre 1929 in Nordsumatra bei einer Sonnenfinsternis gemachte Aufnahmen ganz eindeutig belegten, daß innerhalb eines Zeitinterwalls von einer halben Stunde einzelne Sternpositionen in der Nähe des Sonnenrandes um mehr als 100 % hin- und herschwankten. Anhand dieses Umstandes ist somit ganz eindeutig erkennbar, daß dieser Effekt keinesfalls durch einen solaren Gravitationseinfluß, sondern allenfalls durch einen optischen Effekt der Sonnenatmosphäre hervorgerufen sein kann. Aus diesem Grunde muß die Einsteinsche Allgemeine Relativitätstheorie ebenfalls mit dem Attribut einer mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmenden Unwahrheit versehen werden. (Bezüglich der Einsteinschen Fälschungen hatte der Nobelpreisträger Soddy zwei Jahre vor seinem Tod auf der Nobelpreisträgertagung 1954 in Lindau folgendes zu sagen: "Wenn ein Schuljunge ein solches Kardinalverbrechen beginge, seine Zahlen zu frisieren, um das richtige Ergebnis zu erhalten, würde er als eine Schande für die Schule herausgestellt werden... Der wahre Schuldige war Einstein"!) (siehe in diesem Zusammenhang A7!)

 

Beispiel 6

 

In den Astronomiebüchern wird generell die Auffassung vertreten, daß die von der Sonne und den anderen leuchtenden Sternen abgegebene Energie durch Fusion von Wasserstoff in Richtung Helium erzeugt wird. Im Anschluß an Modellvorstellungen, welche ursprünglich Eddington in England entwickelt hatte, wurden von Weizsäcker und Bethe in den Jahren 1937/38 ein später als Bethe-Weizsäcker-Zyklus bezeichneter Kernumwandlungsprozeß von Wasserstoff in Richtung Helium ersonnen, welcher im Inneren der Sterne bei Temperaturen zwischen 10 und 20 Millionen Grad Celsius stattfinden soll, wobei es ähnlich wie in einer Wasserstoffatombombe zu einer entsprechenden Energiefreisetzung käme. In Bezug auf die Wasserstoffverbrennung innerhalb von Sternen ergibt sich jedoch nur das folgende Problem - alles spricht dagegen, daß ein derartiger Wasserstoffbrand zumindest bei derart hohen Temperaturen tatsächlich stattfindet. Folgende Argumente können dabei vorgebracht werden:

- Die spezifische Energiefreisetzung pro Tonne Gewicht der Sonne ist um eine Vielzahl von Zehnerpotenzen kleiner als bei einer richtigen Wasserstoffatombombe.

- Der erforderliche Temperaturgradient in der Größenordnung von etwa 20°C pro km in Inneren eines gasförmigen Körpers erscheint nicht realisierbar.

- Allem Anschein nach handelt es sich bei den in der Photosphäre der Sonne auftretenden Granulen um enorme Blasenstrukturen, welche aus dem Sonneninneren aufsteigen und dabei jeglichen vorhandenen Temperaturgradienten ausgleichen.

- Durch die Sonnenflecken hindurch ist kein heißer Sonnenkern erkennbar. Da die Sonnenflecken schwarz erscheinen, ergibt sich somit der Eindruck, daß das Sonneninnere eher kühl sein muß.

- Anhand von Strahlungsmessungen ist bekannt, daß die Temperaturen in der Sonnenatmosphäre nach außen hin immer nur ansteigen.

- Bei einer Wasserstoffverbrennung müßte der Heliumanteil von alten Sternen sehr stark ansteigen, was nicht der Fall zu sein scheint.

- Für einen Fusionsbrennvorgang scheinen jegliche Steuermittel zu fehlen, damit der Fusionsreaktor "Sonne" nicht durchgehen kann.

- Bei Verlängerung der Eddingtonschen Massen-Leuchtkraftbeziehung für Hauptreihensterne nach unten finden sich die Planeten in bezug auf die von ihnen abgegebene Wärme auf derselben Kurve, so daß die Wärmefreisetzung von leuchtenden Sternen und wärmeabstrahlenden Planeten auf ein gemeinsames Ursprungsphänomen denken läßt, und

- die gesuchten solaren Neutrinos konnten bisher nicht gefunden werden. (siehe in diesem Zusammenhang auch E1!)

 

Letztlich kommen auf diese Weise derart viele Argumente unabhängig voneinander zusammen, daß die Theorie einer Verbrennung von Wasserstoff in Sternen zumindest ernsthaft infrage gestellt, wenn nicht sogar als unwahr erklärt werden muß.

 

Beispiel 7

 

Und dann wäre dann noch diese Sache mit dem Urknall. Nachdem bereits in den 20iger Jahren dieses Jahrhunderts entdeckt worden war, daß Galaxien mit zunehmender Entfernung von der Erde eine um so größere Rotverschiebung ihrer Spektrallinien zeigen, wurde von dem russischen Physiker George Gramov im Jahre 1947 die Theorie vorgetragen, daß der ganze Kosmos aus einem riesigen Urknallereignis hervorgegangen sei, welches vor einigen Milliarden Jahren stattgefunden habe. Diese Theorie wurde dann in den folgenden Jahren von Leuten von Steven Weinberg und Allan Guth weiterentwickelt. In diesem so schönen Gebäude einer Urknalltheorie traten jedoch plötzlich einige Risse auf, welche äußerst schwer zu kitten waren. Abgesehen davon, daß im Sinn von "cosmic engineering" ein Schöpfer bei seinem Schöpfungsakt wegen der für die Durchführung eines Urknallvorgangs kurzzeitig erforderlichen Energiemenge in der Größenordnung von etwa 10100 erg wohl etwas überfordert gewesen wäre - eine derartige Bereitstellung hätte dabei in Bruchteilen von Sekunden erfolgen müssen, Steven Weinberg spricht von Zeiten in der Größenordnung von 10-43 s - so zeigten Himmelsdurchmusterungen unversehens riesige Ketten von Galaxienstrukturen, welche sich praktisch über den ganzen Himmel erstrecken und keineswegs in das Bild eines stattgefundenen Urknallvorgangs einzupassen waren. Darüber hinaus ergaben sich im Rahmen genauerer Abstandsbestimmungen vielfach zu hohe Driftgeschwindigkeiten, welche das Alter des Kosmos unterhalb des Alters der ältesten Sterne drückten, so daß auch hier gewisse Zweifel an der Gültigkeit der Urknalltheorie entstanden. Trotzdem darf derzeit die Tatsache eines stattgefundenen Urknalls nicht ernsthaft infrage gestellt werden. Dies erscheint insoweit etwas überraschend, weil die zu beobachtende Galaxienflucht durchaus auch auf der Basis eines großräumigen Gravitationsgradienten erklärt werden könnte. Im Vergleich zu dem postuliertem Urknallereignis würde dies ebenfalls nur eine einzige zusätzliche Annahme bedeuten, welche darüber hinaus auch noch den großen Vorteil hätte, daß auf diese Weise andere Phänomene, wie das Auftreten großräumiger Galaxienketten und dgl. sehr viel leichter erklärbar wären. (In bezug auf die 3° Hintergrundstrahlung, welche vielfach als Beweis eines stattgefundenen Urknallvorgangs herangezogen wird, sei kurz auf folgende verwiesen: Die Sonne strahlt bekanntlich kontinuierlich in etwa 4 . 1020 MW ab. Weniger als 0,1 % dieser Energie trifft auf die Planeten, wo sie hingehört. Der Rest dieser Energie geht daneben. Die anderen Milliarden von Sterne tun alle dasselbe und das über Milliarden von Jahren hinweg. Was passiert mit dieser verstrahlten Energie - alles nur handungsreisende Photonen?)

 

V

 

Zusammenfassend ergibt sich somit der Eindruck, daß alle diese während des 20. Jahrhunderts von der Theoretischen Physik ersonnenen Theoriengebäude einer ernsthaften Revision bedürfen, weil sie zunehmend mit der vorhandenen Wirklichkeit nicht mehr zu vereinen sind, und demzufolge auch einer vorgenommenen Wahrheitsüberprüfung nicht standhalten.

 

Wer immer sich darob verwundern sollte, möge folgendes noch bedenken: Es kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, daß der Kosmos nicht mit der Absicht geschaffen wurde, damit unsere theoretischen Physiker mit ihrem etwas beschränkten Intelligenzquotienten jeweils im ersten Schuß die volle Wahrheit einer uns zum großen Teil verborgenen Natur finden. Der Umstand, daß die Theoretische Physik seit 1920 einer ernsthaften Auseinandersetzung über vorhandene Probleme aus dem Wege gegangen ist, muß dabei sicherlich noch als zusätzlicher Störfaktor mitgewirkt haben.

 

Was ist zu tun?

 

Zuerst einmal muß Ordnung geschaffen werden. Ordnung, Ordnung, Ordnung - selbst auf die Gefahr hin, daß von der etablierten Physik am Ende nur so etwas wie ein löchriger Emmentalerkäse übrigbleibt. Probleme werden nämlich nicht dadurch eliminiert, indem man den vorhandenen Schmutz immer nur unter den Teppich kehrt.

 

Dann sollte unbedingt etwas mit den bestehenden hierarchischen Strukturen der Physik unternommen werden. Nicht, daß die Institution der Schwedischen Akademie der Wissenschaften mit ihren Nobelpreisen an sich falsch wäre. Auch nicht der Umstand, daß gelegentlich Nobelpreise der Physik für neue Theorien zur Vergabe gelangen. Nur, da wie bereits erwähnt, Wahrheitsbeweise für eine Theorie nicht zu erbringen sind, während dies bei Falsifizierungsbeweisen durchaus möglich erscheint, kann ein längerfristiger Fortschritt auf dem Gebiet der Innenstrukturen der Natur eigentlich nur dadurch erreicht werden, indem bestehende Theoriengebäude kontinuierlich eliminiert werden, um im Rahmen eines möglicherweise oft recht mühsamen Ausscheidungsverfahren der Wahrheit langsam näherzukommen.

 

Dabei sollte sich die Menschheit auf eine von zwei bestehenden Möglichkeiten einigen:

- Nobelpreise werden nicht wie bisher für das Aufstellen neuer Theorien verteilt, sondern allenfalls für die Falsifizierung einer bestehenden Theorie, welche von einer hinreichend großen Personengruppe bereits akzeptiert worden war, oder

- es wird wie bisher vorgegangen, indem Nobelpreise u.a. auch für die Errichtung von neuen Theorien zur Verteilung gelangen. Da aber durchaus in Erwägung gezogen werden muß, daß eine nobelpreisgekrönte Theorie sich später als Flop bzw. als Unwahrheit herausstellen wird, und nicht zu erwarten steht, daß die Herren der Schwedischen Akademie der Wissenschaften bereit sein werden, eine von ihr bereits als wahr diagnostizierte Theorie später als falsch zu deklarieren, sollte parallel zu der Schwedischen Akademie der Wissenschaften eine neue Organisation geschaffen werden, deren ausschließliche Aufgabe darin besteht, hochdotierte Preise an jene Leute zu verteilen, welche in der Lage sind, wichtige Beiträge bei der Falsifizierung von bestehenden Theoriengebäuden zu leisten.

 

In diesem Zusammenhang muß eindringlichst auf den Umstand hingewiesen werden, daß vor die Wahl gestellt - Aufstellung einer neuen Theorie oder Falsifizierung einer bereits bestehenden Theorie - letztere Maßnahme wohl die sehr viel wichtigere erscheint. Aus diesem Grunde sollten von unseren Regierungen entsprechende Beschlüsse gefaßt werden, damit für die Physiker die zu diesem Zweck erforderlichen finanziellen Anreize geschaffen werden.

 

München, den 14. August 1995

 

Um die eingangs bereits angefangene Geschichte weiter zu erzählen, nachdem dieser Artikel nun schon einmal geschrieben war, schickte der Bourbaki denselben mit Datum vom 29. August 1995 an die drei deutschen Zeitungsmagazine, d.h. das Zeit-Magazin, das SZ-Magazin und das FAZ-Magazin, mit der Anfrage, ob nicht eventuell ein Abdruck erfolgen könne. Während die Leute vom Zeit-Magazin in ganz unhöflicher Weise überhaupt nicht reagierten und das SZ-Magazin nur einen ablehnenden Zweizeiler sandte, erwiderte ein Herr namens Roth vom FAZ-Magazin in sehr freundlicher Weise, indem er kundtat, daß der von mir geschilderte Sachverhalt doch eine Tragödie wäre, während sie selbst ein Kommödienhaus seien, so daß dieser Artikel wohl nicht so recht da hineinpassen würde. Er würde aber vorschlagen, daß ich denselben an die Redaktionsseite "Geisteswissenschaften" der FAZ senden solle, was der Bourbaki dann auch in der Folge tat. Es dauerte nicht lange, bis der für diese Seite zuständige Herr namens Henning Ritter bei mir anrief und sich am Telefon schrecklich hin- und herwand, weil er sich anscheinend doch nicht zu einem Abdruck getraute. Er wolle denselben jedoch an das Ressort "Natur und Wissenschaft" weiterleiten.

 

Es dauert dann wiederum nicht sehr lange, bis ein Herr Dr. Günter Paul vom Wissenschaftsressort der FAZ bei mir anrief, worauf sich ein ganz freundliches, relativ langes Telefongespräch ergab. Als dann aber gegen Ende dieses Telefongesprächs - es fand laut Telefonnotiz am 21.9.1995 gegen 15 Uhr statt - der Bourbaki dem Herrn Paul von der FAZ mit dem Satz konfrontierte: "Aber Herr Paul, Sie werden doch zugeben müssen, daß im Bereich der Physik so einige Dinge im Argen liegen", wurde ihm von Seiten des Herrn Paul erwidert: "Das könne ja schon zutreffend sein, aber Sie irren sich gewaltig, Herr Bourbaki, wenn Sie glauben, daß die Zeitungsmedien dazu da seien, daß durch dieselben gesellschaftliche Veränderungen ausgelöst werden." Nun, diese Aussage klang keineswegs sehr befriedigend, denn zu was sind diese Zeitungen schließlich da - immer nur nachzukauen, was irgendwo auf der Welt bereits passiert war, das dürfte doch nicht so ganz ihre Aufgabe sein. In diesem Sinn stellte der Bourbaki dann dem Herrn Paul noch die folgende Nachfrage: "Aber Herr Paul - Sie werden doch zugeben, daß ein derartiger Zustand wie mit der derzeitigen Physik für die ganze Menschheit nicht besonders gesund sein kann", worauf das Gespräch mit Herrn Paul von der FAZ wie folgt beendet wurde: "Das mag schon sein, aber da könne man eben nichts machen!"

 

Nun, bei diesen Zeitungsfritzen - Feigheit, wohin man schaut! Die drei deutschen Zeitungsmagazine haben übrigens die seltene Ehre, im gleichen Boot wie die kommunistische italienische Zeitung Unità zu sitzen. Über Federico Di Trocchio, Autor eines sehr lesenswerten Buches "Der große Schwindel, Betrug und Fälschung in der Wissenschaft" Frankfurt 1994, welcher 1996 unvermutet bei einem Antikongreß in Perugia/Italien aufgetaucht war und welcher zumindest behauptete, gute Drähte zu diesen Unità-Leuten zu besitzen, wurde der Bourbakische Artikel ebenfalls denselben zugespielt, ohne daß es aus was für immer gearteten Gründen zu einem Abdruck gekommen wäre.

 

PS: Ceterum censeo speculum esse delendum.